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New York sehen und laufen, laufen, laufen

WERNE Früher hat sie Ballett getanzt. Jetzt läuft sie Marathon. Nicht irgendeinen Marathon. New York Marathon. Den Marathon, von dem jeder Läufer träumt. Für Nina Waltermann geht der Traum am Sonntag (4. November) in Erfüllung.

von Von Marc Stommer

, 30.10.2007
New York sehen und laufen, laufen, laufen

Die Registrierung in der Hand: Nina Waltermann fährt von Sim-Jü direkt zum New-York-Marathon.

Die 28-jährige lebt in Köln, ist gebürtige Wernerin und gerade zu Besuch bei ihren Eltern. Klar, es ist Sim-Jü. Natürlich will sie sich aber auch noch gebührend verabschieden vor dem großen Event. Vor allem von ihrem Vater. "Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen", sagt sie dankbar. Vater Rudi Waltermann ist auch ihr persönlicher Trainer. "Bei den langen Vorbereitungs-Läufen fährt er mit dem Rad nebenher und versorgt uns mit Getränken, Müsliriegeln und Bananen."

"Uns" - das ist neben Nina Waltermann auch noch eine ihrer besten Freundinnen: Silvia Koch aus Dortmund. "Wir haben uns vor zehn Jahren in der Ausbildung kennen gelernt, anschließend gemeinsam in Osnabrück studiert und in einer WG gewohnt." Seit 2003 laufen sie gemeinsam die Langstrecke, verschiedene Halbmarathons und auch schon zweimal den Marathon in Köln. Ninas Bestzeit steht bei 4:19 Stunden.

"Aufgeregt?" "Ein bisschen!"

"Zum zehnjährigen Kennenlernen wollten wir etwas ganz Besonderes machen", sagt die Diplom-Pflegewirtin. Gelungen: Morgen geht's ab in den Flieger. Köln/Bonn - New York im Non-Stop. Aufgeregt? "Ein bisschen", sagt sie und kramt die Unterlagen aus der Tasche. Ein Flugticket und die Registrierungs-Karte für den Marathon.

Alles gebucht bei Ali Schneider, einer Reiseagentur aus Fürstenfeldbruck, spezialisiert auf Marathon-Events. Das Gesamtpaket mit Übernachtung und Frühstück inklusive After-Marathon-Party - auf dem East River mit Dinner und DJ und Blick auf die Skyline von Manhattan - kostet 2500 Euro.

Das Programm ist straff: Donnerstagnacht landen sie und checken im Hotel ein, Freitag folgt ein kleiner Probelauf und Sightseeing, Samstag die große Stadtrundfahrt, dann ein Freundschaftslauf für alle 700 Teilnehmer der Schneider-Tour. Anschließend Startunterlagen abholen und die obligatorische Pasta-Party - der Körper braucht Kohlehydrate.

Und dann ist Sonntag

Denn dann ist Sonntag: Um 10.10 Uhr fällt der Startschuss auf Staten Island. Über Brooklyn, Queens und die Bronx geht's 42,195 Kilometer bis ins Ziel nach Manhattan. Begleitet von Millionen von Zuschauern - der helle Wahnsinn.

"Man durchlebt fast fieberhafte Zustände beim Marathon", sagt Nina Waltermann. Nicht nur was die Zuschauer-Euphorie anbelangt. "Manchmal fragt man sich, warum man das macht", gibt die zierliche junge Frau zu, "wenn einen der Schüttelfrost vor Erschöpfung packt." Ein Marathon verlangt Körper und Geist alles ab. Ehrgeiz und eiserne Selbstdisziplin nennt sie als Voraussetzung für das Überstehen der Tortur. "Schlimm wird es meistens so ab Kilometer 30. Dann sage ich mir immer: Du bist schon so weit gekommen, den Rest schaffst du auch noch", nennt sie ihr Erfolgsrezept.

"Man denkt immer: Das war dein Letzter!"

"Direkt nach einem Marathon denke ich immer: Das war dein Letzter", so Waltermann. Wenn der Muskelkater dann überwunden ist, die "Knochen" wieder normal funktionieren, rückt die nächste Herausforderung in den Fokus. "Man setzt sich schnell wieder neue Ziele. Berlin zum Beispiel - oder New York", sagt Nina und lächelt ein wenig verschmitzt. Die Vorfreude steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Es ist die Freude auf den gelebten Traum. Zeiten sind nebensächlich. Waltermann: "Wir wollen schon ganz gut laufen. Aber, man muss abwarten, was mit dem Jetlag ist. In erster Linie fahren wir dahin, um es zu genießen." Ein amerikanischer Traum wird wahr.