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Nokia: Kämpferische Politik - unveränderter Schließungsplan

BOCHUM Im Ringen um die Zukunft des Bochumer Nokia-Werks haben die Hoffnungen von 2300 Beschäftigten auf Rettung ihrer Jobs einen weiteren Dämpfer erhalten. Der finnische Handy-Weltmarktführer unterstrich am Freitag seine Pläne, die Produktion von Deutschland nach Osteuropa verlagern zu wollen. Die Rettungsbemühungen halten unterdessen an.

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Ein Nokia-Werbeaufsteller mit der Aufschrift "So macht der Winter Spaß" steht am Freitag vor einem Mobilfunkgeschäft in der Bochumer Innenstadt.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo hat sich selbst bislang nicht zu der Werksschließung in Bochum geäußert.

Die Bundesregierung zeigte sich am Freitag zwar skeptisch, an der unternehmerischen Entscheidung rütteln zu können. Kämpferisch zeigte sich dagegen der Bochumer Betriebsrat und die Politik in Nordrhein-Westfalen, die die Subventionen für den Handy-Riesen auf den Prüfstand stellen wollte.

Die Bundesregierung habe wenig Möglichkeiten, einzugreifen, räumte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ein. Die Verlagerung sei eine rein unternehmerische Entscheidung, auf die die Bundesregierung keinen direkten Einfluss habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte vom finnischen Konzern mehr Informationen zu den Plänen. IG-Metall-Chef Berthold Huber pochte auf gesetzliche Barrieren für Unternehmensverlagerungen ins Ausland.

Versäumnisse beim Nokia-Management sah Industriekommissar Günter Verheugen. „Von einem modernen Management in Europa muss ich erwarten, dass es Standortentwicklungen im Voraus beurteilen kann und sich rechtzeitig auf Veränderungen einstellt“, sagte Verheugen der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Land prüft Subventionen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will die Subventionspraxis auf den Prüfstand stellen und zeigte sich zuversichtlich, Nokia eine Verletzung von Beschäftigungs-Auflagen nachweisen zu können. Die Arbeitnehmerseite drohte mit Streik, falls keine Standort-Gespräche mit Nokia zustande kommen. Am Dienstag ist zunächst eine Großdemonstration geplant.

Aus Sicht von Merkel wirft das Vorgehen des Unternehmens noch viele Fragen auf, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Gemeinsam mit der Landesregierung müsse nun versucht werden, so viel wie möglich für die Bochumer Beschäftigten herauszuholen. Zu möglichen Boykott-Aktionen gegen Nokia sagte Steg, Betroffene und Verbraucher könnten in einer Situation, in der sie sich ohnmächtig fühlten, so ein Zeichen setzen.Nokia spricht mit Betriebsrat

Das Unternehmen wies am Freitag abermals Vorwürfe über den Missbrauch von Fördergeldern zurück und bekräftigte seine Schließungspläne. Nokia wolle nun zügig mit dem Betriebsrat an einen Tisch kommen, um zu schauen, wie man den Beschäftigten in dieser „sehr schweren Situation“ helfen könne, sagte Nokia-Sprecherin Kristina Bohlmann im WDR-5-Morgenecho. Erneut wies Bohlmann Vorwürfe über die Abzocke von Fördergeldern zurück.

NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) äußerte dagegen den Verdacht, dass Nokia Beschäftigungszusagen nicht eingehalten haben könnte. „Gelingt uns der Nachweis, können wir die beiden letzten Subventionsbescheide in Höhe von 17 und 23,8 Millionen Euro zurückfordern.“ Nokia-Sprecherin Bohlmann betonte allerdings, das Unternehmen habe sich bei den Subventionen an alle Vereinbarungen in Kontakt mit den zuständigen Stellen gehalten.

 

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Ein Nokia-Werbeaufsteller mit der Aufschrift "So macht der Winter Spaß" steht am Freitag vor einem Mobilfunkgeschäft in der Bochumer Innenstadt.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo hat sich selbst bislang nicht zu der Werksschließung in Bochum geäußert.

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