Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nokia-Mitarbeiter: Nach dem Lob eiskalt abserviert

BOCHUM 600 Menschen drängeln sich am Tag nach der Verkündung der Schreckensmeldung vor dem Nokia-Haupteingang.

/
Schwerer Gang für NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Am Mittwochmittag hat er die Mitarbeiter des Nokia-Werks in Bochum besucht.

Nokia-Mitarbeiterinnen umarmen sich.

Will die Werksschließung nicht einfach hinnehmen: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

Mit Trillerpfeifen, Transparenten und vielen Grußworten beweisen Gewerkschafter, Betriebsräte anderer Unternehmen. Politiker und Bürger ihre Solidarität mit den 2300 Nokia-Mitarbeitern, die in Bochum seit Dienstag um ihren Arbeitsplatz bangen. Als Hoffnungsträger kommt NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers herbei. „Ich bin bereit, den Kampf aufzunehmen“, ruft er mit starker Stimme durchs schwache Mikrofon. Er verspricht zu prüfen, ob die Verlagerung von Bochum nach Rumänien mit EU-Fördermitteln subventioniert wurde. „Es kann nicht sein, dass mit Steuergeldern aus Brüssel hier Arbeitsplätze vernichtet werden.“ Eine Nokia-Mitarbeiterin kämpft sich durch die Fotografen und fällt ihm um den Hals.Bitter enttäuscht Katja (36) zittert wie ihre Kolleginnen nicht nur vor Kälte: „Man hat uns eiskalt abserviert“, ist sie bitter enttäuscht von einem Unternehmen, das alle bis gestern als „eine große Familie“ bezeichnet hatten. Angstvoll blicken sie in eine ungewisse Zukunft. Besonders hart trifft es Ehepaare bei Nokia  – und davon gibt es eine ganze Menge.Das Schlimmste: Sie können es nicht verstehen. „Wir schreiben schwarze Zahlen, die Personalkosten machen einen ganz geringen Teil der Kosten aus“, erzählt eine andere Mitarbeiterin. Sie arbeitet in der Produktion, neun Tage am Stück, wenn es gefordert wird, verzichtet auf Sonderzulagen, macht Überstunden: „Wofür?“ Dafür fehlen auch Bochums Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz die Worte. Am Vormittag hatte sie sich im Werk informiert. „Ein Standort wird geschlossen, Menschen um ihre Existenz gebracht, nur um noch schwärzere Zahlen zu schreiben? Das lassen wir nicht zu“, kündigte Scholz Proteste auf kommunaler, Landes- und Bundesebene an. Und es sind ja nicht nur die Mitarbeiter bei Nokia und den Zulieferfirmen betroffen: Alle haben ja auch noch Partner, Kinder. Wenn die 30 Millionen Euro Gewerbesteuern von Nokia künftig wegbrechen, gerät der städtische Haushalt in Gefahr – und das wiederum trifft jeden Bürger.Leiharbeitern Zutritt zum Firmengelände untersagt Dabei gab es keine Hinweise. „Auf der Betriebsversammlung im September wurden wir noch gelobt, wir seien die Besten, flexibel, und der Standort sei sicher“, erzählt eine Kollegin. Die 1000 Leiharbeiter hätten für Nokia noch kürzlich neue Arbeitsverträge bekommen – gestern durften sie nicht mehr aufs Firmengelände. Umso schwerer wird es für die Beschäftigten, die Arbeit aufrecht zu halten. Das ist aber nach Ansicht von Dietmar Artzig die einzig richtige Antwort: „Ich bin noch nicht gekündigt. Also arbeite ich. Andernfalls spielen wir den Arbeitgebern in die Hände.“ Aufgeben will auch Martina Lamberti aus dem Bereich Forschung und Entwicklung nicht. „In Ulm wurden in diesem Bereich 60 neue Leute eingestellt. Warum soll das hier dann nicht auch weitergehen?“

/
Schwerer Gang für NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Am Mittwochmittag hat er die Mitarbeiter des Nokia-Werks in Bochum besucht.

Nokia-Mitarbeiterinnen umarmen sich.

Will die Werksschließung nicht einfach hinnehmen: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

Anzeige
Anzeige