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Nürnberg feiert Pokalsieg: 3:2-Sieg über Stuttgart

Berlin (dpa) - Nach dem Blattschuss mitten ins VfB-Herz starteten Nürnbergs Pokal-Helden in der Berliner Nobel-Discothek «Felix» den fränkischen Feier-Marathon, doch «Club»-Präsident Michael A. Roth konnte sein Glück noch gar nicht fassen.

«Ich habe so etwas noch nie erlebt», gestand der dienstälteste Bundesliga-Präsident nach der Rückkehr des Fußball-Altmeisters 1. FC Nürnberg in die Siegerlisten durch das 3:2 nach Verlängerung im DFB-Pokalfinale gegen Meister VfB Stuttgart. «Das ist für den Verein und die ganze Region ganz wichtig, dass wir endlich wieder auferstanden sind aus den schweren und schlechten Zeiten.» Bei den Schwaben war die Enttäuschung über das verpasste Double nach einer traumhaften Saison schnell verflogen und machte Trotz Platz. «Wir haben uns noch in der Kabine vorgenommen, im nächsten Jahr den Pokal zu holen», berichtete Thomas Hitzlsperger.

Als um 22.52 Uhr der nach Stuttgart wechselnde FCN-Kapitän Raphael Schäfer als Beweis für den ersten Titelgewinn seit 39 Jahren die begehrte Trophäe in die Berliner Luft stemmte, gab es bei den Leid geprüften Nürnberger Fans in der Heimat kein Halten mehr. Mehr als 50 000 Anhänger machten in der fränkischen Hauptstadt die Nacht zum Tage. Kondition bewiesen auch Nürnbergs Profis, die nach den Kräfte zehrenden 120 Minuten und dem Gala-Büfett im «Ritz-Carlton»-Hotel am Potsdamer Platz Champagner und Clubführung wie verabredet den Rücken kehrten und bis zum Morgengrauen im «Felix» die Puppen tanzen ließen.

«Club»-Trainer Hans Meyer genoss den ersten gesamtdeutschen Titel eines früheren DDR-Trainers in aller Gemütsruhe, für den Vater des Erfolges war beim ersten Cupsieg seit 45 langen Jahren die Mannschaft der Star. «Ich bin stolz auf meine Jungs. Unser Team läuft schon seit Wochen auf dem Zahnfleisch», lobte der 64-Jährige sein letztes Aufgebot, das durch die Treffer von Marek Mintal und Marco Engelhardt sowie Jan Kristiansens allererstes «Club»-Tor die 90 Minuten in Unterzahl spielenden Stuttgarter in einem der packendsten Endspiele der vergangenen Jahre niedergerungen hatte. «Ich tanze nicht vor Freude», meinte Meyer nüchtern. «Aber ich freue mich unglaublich, auch für meine Familie. Ich kriege ja auch eine Prämie.»

«Das ist ein perfekter Abschied», jubelte Kapitän Schäfer über den ersten Titelgewinn seiner Karriere und wollte den Cup gar nicht mehr aus der Hand geben. Beim feierlichen Bankett musste er die Trophäe aber doch an Präsident Roth abtreten: «Der bleibt in Nürnberg, wo er hingehört», meinte der Neu-Stuttgarter Schäfer über den «Verlust». Im siebten Fußball-Himmel wähnte sich auch Pechvogel Mintal: «Es ist ein fantastischer Abend für mich, ein Traum», schwärmte der Slowake. Er musste kurz nach seinem Treffer zum 1:1 und Fernando Meiras Foul, das eigentlich Rot statt Gelb hätte nach sich ziehen müssen, verletzt ausscheiden und vergoss zunächst bittere Tränen. «Anfangs hatte ich ein schlechtes Gefühl, aber es ist nicht so schlimm», berichtete er.

So mussten die Stuttgarter, die mit unverständlicher Härte auf den Nürnberger Ausgleich reagiert und damit frisch gewonnene Sympathien verspielt hatten, nur bei Stürmer Cacau Aufbauarbeit leisten. Mit dem Platzverweis (31. Minute) erwies der Brasilianer seinen Kollegen einen Bärendienst und ließ später auf der Tribüne ebenfalls seinen Tränen freien Lauf. «Er hat eine hervorragende Saison gespielt. Wenn er einen Fehler gemacht hat, werde ich ihm bestimmt nicht den Kopf abreißen», meinte VfB-Trainer Armin Veh gnädig. «Es tut mir Leid, dass ich der Mannschaft geschadet habe und ich nicht mehr helfen konnte», sagte der Brasilianer zerknirscht. «Ich habe mich bei der Mannschaft entschuldigt, aber mir hat keiner einen Vorwurf gemacht.»

Der Frust über das verpasste erste Double der Vereins-Historie war anfangs rießengroß, doch nach einer fast perfekten Saison hielt sich die Trauer der Schwaben über den trotz langer Unterzahl nur knapp verpassten vierten Pokalsieg bald in Grenzen. «Natürlich hätten wir gern das Double geholt, aber das versuchen wir dann nächstes Jahr», sagte Manager Horst Heldt. Zum erneuten Angriff auf den Pott bliesen auch die Profis. «So haben wir ein Saisonziel», sagte Nationalspieler Hitzlsperger. «Denn nochmal Meister zu werden, wird sehr schwer.»

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