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Zeugin soll gelogen haben

OLFEN Der Fall um die Vergewaltigung einer 37-jährigen Olfenerin beschäftigt weiterhin die Justiz. Möglicherweise steht sogar eine Wendung bevor.

von Von Matthias Münch und Kevin Kohues

, 26.10.2007

Zur Vorgeschichte: Wegen Vergewaltigung verurteilte das Landgericht Münster am 28. März dieses Jahres einen 41-jährigen Polizisten aus Olfen zu drei Jahren Gefängnis. Am 4. Mai 2006 soll er die ehemalige Freundin seiner Ehefrau in seiner Wohnung vergewaltigt haben.

Revision abgelehnt

Der Mann stritt die Tat ab, der Sexualverkehr sei in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt. Das Gericht hatte aber keine Zweifel an den Aussagen des Opfers. Der Polizist legte Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein. Diese Revision wies der BGH am 18. September als unbegründet zurück. Der Olfener ist nun rechtskräftig verurteilt. Aus dem Polizeidienst wurde er entlassen.

Wie jetzt bekannt wurde, muss der Fall möglicherweise aber noch einmal neu aufgerollt werden. Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen die Hauptbelastungszeugin, eine Polizistin, ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage eingeleitet.

"Es gibt Hinweise, dass die Polizistin in einem Punkt nicht die Wahrheit gesagt hat", erklärte Pressestaatsanwalt Wolfgang Schweer (Foto 1) auf Anfrage unserer Zeitung. Er selbst hat nun das Verfahren eingeleitet, welches vier bis sechs Wochen dauern könne. "Über den Ausgang kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen", so Schweer gestern. Sollte sich die Falschaussage bestätigen, wird das ganze Vergewaltigungsverfahren möglicherweise wieder aufgenommen.

Ungeachtet dessen haben die 37-jährige Frau und ihr Rechtsanwalt Eberhard Netterscheid weitere Vorwürfe gegen den Polizisten erhoben. Die Olfenerin und ihre Familie, so der Anwalt, würden weiterhin von dem 41-Jährigen verfolgt. Er nutze seine Stellung als ehemaliger Polizist und seine Kontakte in Olfen, um der Frau und ihrer Familie nachzustellen. So würden er selbst und seine Bekannten bei dem Zahnarzt, wo eine Tochter des Opfers als Zahnarzthelferin arbeitet, darauf bestehen, von dieser nicht behandelt zu werden. In der Eisdiele bewege sich der ehemalige Polizist hingegen stets in der Nähe der dort als Aushilfe arbeitenden Tochter, damit sie ihn bedienen müsse. Die Frau habe er schon des öfteren im Supermarkt belästigt, kaufe ein, wenn sie auch einkaufe und folge ihr bewusst in die verschiedenen Einkaufsgänge und an die Kasse. "So einen Fall habe ich in meiner Laufbahn als Rechtsanwalt noch nicht erlebt", betonte Eberhard Netterscheid.

Verfahren eingestellt

Eine entsprechende Anzeige wegen Stalking ging bei der Staatsanwaltschaft ein, wie Wolfgang Schweer bestätigt. Das Stalking-Verfahren wurde aber im Hinblick auf die bereits erfolgte Verurteilung eingestellt, wie Schweer erklärt: Die dabei zu erwartende Freiheitsstrafe fiele gegenüber den drei Jahren nicht ins Gewicht. 

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