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Paralympics sollen Verständnis für Behinderte verbessern

Pyeongchang. Die Winter-Paralympics in Pyeongchang sollen die Aufmerksamkeit auf das Thema Behinderungen in Südkorea noch einmal fördern. Viele Verbände fordern die Abschaffung eines Klassifizierungssystems für Behinderungen. Bei der Regierung verschaffen sie sich damit Gehör.

Paralympics sollen Verständnis für Behinderte verbessern

Die Paralympics in Südkorea sollen nicht nur sportlich das Gastgeberland begeistern. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Der Südkoreaner Kim Sejin verbindet mit den Paralympischen Winterspielen in Pyeongchang große Hoffnungen. Der Umgang mit Menschen mit Behinderung habe sich in Südkorea zum Besseren verändert, sagt der 20 Jahre alte Student, der Beinprothesen trägt.

Doch lässt er keinen Zweifel daran, dass noch viel zu tun ist. Die Regierung müsse die Südkoreaner dabei unterstützen, die betroffenen Menschen besser zu verstehen, sagt Kim, der selbst als Para-Schwimmer an internationalen Wettbewerben teilgenommen hat und bei den Olympischen Winterspielen im Februar als freiwilliger Helfer dabei war. „Sie können ihre Behinderungen sehen, aber sie verstehen sie oft nicht.“

Viele Behindertenverbände fordern seit vielen Jahren vor allem die Abschaffung eines umstrittenen Bewertungssystems, mit dem Menschen mit Behinderung in einen von sechs Graden eingeteilt werden. Das Klassifizierungssystem gebe es nur noch in wenigen Ländern, Südkorea und Japan eingeschlossen, sagt Park Chano, der kleinwüchsig ist und im Rollstuhl sitzt.

„Diese Einteilung dient hauptsächlich der Verwaltung, sie richtet sich nicht nach den Bedürfnissen der Betroffenen“, betont der 48 Jahre alte Vorsitzende des Centers für Unabhängiges Leben in Seoul. So würden etwa Menschen mit den Graden eins und zwei in den Genuss eines freien Taxiservices kommen. Doch anders sehe es schon bei Personen aus, die permanent auf Gehstützen angewiesen seien und zum Teil in den dritten oder vierten Grad eingeteilt würden.

Die Gruppen finden bei der Regierung unter dem sozialliberalen Präsidenten Moon Jae In Gehör. Von Juli 2019 an soll das System schrittweise abgeschafft und durch eine Regelung ersetzt werden, die sich nach den Bedürfnissen einzelner Personen richtet. Entsprechende Pläne beschloss kurz vor Beginn der Paralympics, die vom 9. bis zum 18. März stattfinden, das Komitee zur Koordinierung der Behindertenpolitik.

Park zeigt seinen Ausweis, der „Grad 1“, die schwerste Behinderung, anzeigt. Der 48-Jährige hat die Veränderungen der Behindertenpolitik in den vergangenen Jahren miterlebt. Als historischer Einschnitt, der für das Leben der Menschen mit Behinderung große Veränderungen gebracht hat, gelten vor allem die Paralympics 1988 in Seoul.

Damals sei es das erste Mal gewesen, dass in Südkorea „Menschen mit Behinderung zusammengekommen sind, um für ihre Rechte zu demonstrieren“, sagt Park. Unter anderem seien später ein Fürsorge-Gesetz und ein Behinderten-Quotensystem für Unternehmen und Behörden eingeführt worden.

Die Veränderungen hat auch der Chef de Mission der deutschen Paralympics-Mannschaft, Karl Quade, erlebt. Als er wegen der Spiele vor 30 Jahren zum ersten Mal in Südkorea gewesen sei, sei das Thema Menschen mit Behinderung noch nicht etabliert gewesen. „Die Paralympics waren seinerzeit die Initialzündung, um die Menschen mit Behinderung aus der Isolation zu holen.“ Heute seien die Städte weitgehend barrierefrei. „Menschen mit Behinderung sind in Südkorea mindestens so gut in der Gesellschaft integriert, wie wir es aus Deutschland kennen.“

Auch für die neugebauten Sportanlagen in Pyeongchang vergibt Quade gute Noten. „Es wird alles funktionieren, die Mentalität der Südkoreaner lässt da keine Defizite zu.

Mit seiner Arbeit im Center lebt der Aktivist Park relativ unabhängig. Damit das auch anderen Menschen mit schweren Behinderungen ermöglicht wird, fordert er mehr Geld für ihre Unterstützung von der Regierung. Die Gesetze hält Park für „fast perfekt“, doch mit der Umsetzung hapere es noch.

Für den Studenten Kim Sejin war es erst der Sport, der sein Leben „komplett“ verändert hat. Als Kind habe es für ihn nur drei Dinge gegeben: „Ich will nicht, ich kann nicht, ich hasse das“, sagt er. Der Schwimmsport habe ihm mehr Selbstvertrauen gegeben. Für die Para-Sportler fordert er: „Wir müssen ihnen gute Trainingsstätten bieten.“

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