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Paris zeigt Picassos „Guernica“

Paris. „Guernica“ gehört zu den Meisterwerken Picassos und der Kunstgeschichte. Nach der Werkschau zum 80. Geburtstag in Madrid erinnert Frankreich nun daran, dass das Gemälde in Paris entstanden ist.

Paris zeigt Picassos „Guernica“

Picasso neu interpretiert: „Guernica Redacted“ von Robert Longo. Foto: Christophe Ena/AP

Verstümmelte Menschen, eine Mutter, die ihr lebloses Kind in den Armen hält, ein verschrecktes Pferd und am Boden ein Soldat mit einem Messer in der Hand. Bereits in der Eingangshalle des Pariser Picasso-Museums werden Besucher mit dem Abbild des Schreckens konfrontiert.

Das Bild ist eine Reproduktion des berühmten Originals „Guernica“, das sich seit 1992 in Madrid im Reina Sofía Museum befindet. Entstanden ist das Anti-Kriegs-Manifest, Meisterwerk des spanischen Malers Pablo Picasso, jedoch in Paris. Dies ruft nun eine eigene Ausstellung in dem Pariser Museum ins Gedächtnis.

Unter dem Titel „Guernica“ sind mehr als 150 Werke zu sehen. Sie illustrieren die Entstehungsgeschichte des Gemäldes, vor allem aber erinnern sie auch daran, dass Picasso das Hauptwerk vor 80 Jahren im Atelier in der 7, rue des Grands-Augustins erschaffen hat.

Picasso (1881-1973) reagierte damit auf die Zerstörung der baskischen Stadt Gernika durch einen Luftangriff der deutschen „Legion Condor“ im April 1937. Der spanische Künstler malte das monumentale Gemälde zwischen dem 1. Mai und dem 4. Juni 1937 - in Rekordzeit, wie die Kuratorin Emilie Bouvard meint.

Bei der Ausführung fotografierte ihn Dora Maar, seine Muse und Geliebte. Jede Etappe hielt die Pariser Fotografin fest. Dadurch werde man vielleicht verstehen können, auf welchem Weg ein Gehirn zur Konkretisierung seines Traums gelange, meinte Picasso dazu. Im Picasso-Museum sind die Aufnahmen zu einer Art Slideshow zusammengestellt. Die Besucher tauchen in den Schaffensprozess des Künstlers ein.

Die Metamorphosen, die das Werk in den mehr als vier Wochen seiner Entstehung durchlaufen hat, sind beeindruckend. Der liegende Soldat hatte den Arm zunächst nach oben gestreckt, in der Endversion liegt dieser am Boden. Eine wesentliche Veränderung, wie Bovard erklärte: „Dadurch hat er den Soldaten zum Opfer gemacht.“

Die Riesenleinwand war eigentlich dem Motiv „Der Maler und sein Modell“ für den spanischen Pavillon bei der Pariser Weltausstellung 1937 bestimmt. Darum hatte die republikanische Regierung Picasso gebeten. Angesichts des Luftangriffs auf Gernika durch deutsche Kampfflugzeuge, die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite des faschistischen Generals Francisco Franco kämpften, verwarf Picasso das Anfangskonzept.

Stattdessen entstand ein Manifest gegen Krieg und Gewalt. In Madrid wurde zu dessen 80. Geburtstag im April 2017 im Reina Sofía Museum die Schau „Piedad y terror en Picasso“ (Gnade und Schrecken bei Picasso) eröffnet. Zwischen beiden Ausstellungen gibt es aber nur geringe Überschneidungspunkte - etwa die republikanischen Plakate, die in der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs eine künstlerische Blütezeit erlebten, und Zeitungsausschnitte über die Bombardierung der baskischen Kleinstadt. „Von Guernica sind nur noch 5 Häuser übrig“, titelte am 29. April 1937 die französische Zeitung „L’Humanité“. Der Luftangriff der Legion Condor hatte drei Tage zuvor stattgefunden.

Picassos Manifest hat zahlreiche Künstler beeinflusst wie den amerikanischen Künstler Robert Longo und den Franzosen Damien Deroubaix. Beide haben „Guernica“ monumental jeweils in Kohle und Holz interpretiert, beide sind in Weiß-Schwarz-Grau, Picassos Farben für das Dunkel und die Traurigkeit des Krieges.

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Picasso neu interpretiert: „Guernica Redacted“ von Robert Longo. Foto: Christophe Ena/AP

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