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Tierschutz-Aktion

Pelz-Polizei "kontrolliert" Passanten in der Region

NRW Wer in dieser Woche in den Fußgängerzonen der großen NRW-Städte unterwegs war, wurde vielleicht schon von ihr angesprochen: Die Pelz-Polizei "kontrollierte" unter anderem in Essen, Dortmund und Münster die Kleidungsstücke von Passanten. Dahinter steckt eine - durchaus umstrittene - Aktion des Deutschen Tierschutzbüros.

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Die Pelz-Polizei war am Mittwoch in Dortmund unterwegs.

Echtpelz oder Kunstpelz? Die Tierschützer kontrollieren.

Dass man beim Gang durch die Fußgängerzone nach Kleingeld gefragt wird, kommt schon mal vor. Dass man gefragt wird, was genau man eigentlich trägt und woraus die eigene Kleidung besteht, eher selten. In NRWs Großstädten ist die Wahrscheinlichkeit, dass genau das passiert, in dieser Woche aber recht groß: Die Pelz-Polizei ist unterwegs.

Ziel: Die Menschen sensibilisieren

Bei der Pelz-Polizei handelt es sich um eine Aktion des Deutschen Tierschutzbüros: Zwei Mitarbeiter des Tierschutzvereins mit Sitz in Bonn und Berlin sind zurzeit in blauen Jacken mit dem Aufdruck "Pelz-Polizei" in Nordrhein-Westfalen "auf Streife" - mit dem Ziel, Passanten über Echtpelzprodukte und deren Produktionsweise aufzuklären. "Es geht uns darum, die Leute dafür zu sensibilisieren, woher Pelz kommt. Denn überraschend viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Echtpelz tragen", sagt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Tierschutzbüros Jan Peifer.

Bisher war die Pelz-Polizei in Bonn, Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund und Münster unterwegs - in dieser Woche folgen noch Stationen in Bielefeld, Hannover, Bremen und Hamburg. Nächste Woche sind Berlin und Süddeutschland dran. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbüros soll die bundesweite Aktion noch bis Anfang März fortgeführt werden.

Live-Test auf Echtheit

Jan Peifer und seinem Team geht es in erster Linie darum, die Menschen zu informieren und für einen Erkenntnisgewinn zu sorgen. "Wir sprechen Leute, die beispielsweise Mäntel mit Fellkragen oder Mützen mit Pelzbommeln tragen, ganz vorsichtig an", erklärt der 36-Jährige. Er berichtet von einer Passantin aus Bonn, die felsenfest davon überzeugt war, Kunstpelz zu tragen - dem war jedoch nicht so. "Wir testen den Pelz quasi live - natürlich nur mit Einverständnis der Passanten", erklärt Peifer.

Um herauszufinden, ob Pelz echt ist, gibt es zwei Methoden: "Neigen sich beim Reinpusten die Haare zur Seite und lassen eine leicht gekräuselte Unterwolle erkennen, handelt es sich womöglich um Echtpelz. Außerdem kommt beim Auseinanderziehen des Fells Leder zu Tage, bei Kunstpelz würde eine gewebte Textilschicht zu erkennen sein. Zündet man ein Haar von Kunstpelz an, riecht es nach Plastik, echter Pelz riecht nach Horn oder Haaren", beschreibt das Team des Deutschen Tierschutzbüros. Für den "Feuer-Test" reißen die Tierschützer nur einen kleinen Teil des Fellbesatzes heraus.

Unterschiedliche Kennzeichnungspflichten

Die Pelz-Polizei wendet sich dabei auch an Ladeninhaber, die beispielsweise Accessoires mit Pelz vertreiben. "Wir haben jetzt schon von mehreren Händlern gehört, die ihre Ware aus dem Ausland beziehen und denen versprochen wurde, es handele sich um Kunstpelz. Viele wollen sich beschweren oder Lieferverträge kündigen, nachdem sie von uns erfahren haben, dass es doch echter Pelz ist", erklärt Peifer. Dass es überhaupt möglich ist, dass Echtpelz als Kunstpelz vertrieben wird, erklärt der 36-Jährige mit den Kennzeichnungspflichten, die je nach Land unterschiedlich sind. "Die Regelungen sind den Produzenten beispielsweise aus China vielleicht gar nicht bekannt."

Und wie reagieren die Passanten auf die Pelz-Polizei? Schließlich könnte es durchaus als Bevormundung und Eingriff in die Privatsphäre verstanden werden, von Unbekannten auf die eigene Kleidung angesprochen zu werden. Jan Peifer zufolge gibt es aber kaum Probleme. "Wer bewusst und gerne echten Pelz trägt, der redet natürlich nicht mit uns. Dass jemand aber wirklich sauer wird, kommt nur in zwei bis drei Prozent der Fälle vor", sagt der Vorstandsvorsitzende. Der größte Teil der angesprochenen Passanten sei sehr offen - und oftmals schockiert zu erfahren, dass sie unbewusst echten Pelz getragen haben. 

"Verwechslungsgefahr besteht nicht"

Die echte Polizei habe übrigens kein Problem damit, dass die Tierschützer als Pelz-Polizei auftreten, sagt Jan Peifer. "Bisher gab es keine Kritik. Wir nutzen ja unser eigenes Wappen und klären die Leute auch direkt darüber auf, wer wir sind. Eine Verwechslungsgefahr besteht da eigentlich nicht." Auf Nachfrage bestätigt ein Sprecher der Dortmunder Polizei: Auch wenn die Jacken in der Farbgebung recht ähnlich seien, sehe man keine größere Problematik. Die Tierschützer würden schließlich keine polizeilichen Maßnahmen ergreifen und sich auch nicht als Polizisten ausgeben.

Die Reaktionen im Netz fallen gemischt aus: Einige fühlen sich durch die Aktion zu sehr an die Scharia-Polizei erinnert.

Kann jemand diesen Tierschützern erklären, dass es keine gute Idee ist sich seine Aktionsideen von den Salafisten abschauen? #PelzPolizeihttps://t.co/9kcTfiW8kN

— Robert Wande (@robwande)

Andere loben das Ganze auf Facebook als "klasse Aktion", "brillante Idee" und kreativ.

Berlin (dpa/tmn) Echter Pelz an Kleidungsstücken muss laut einer EU-Verordnung eigentlich gekennzeichnet sein. Im Etikett steht: «Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs». Fehlt diese Kennzeichnung, können sich Käufer dennoch nicht sicher sein, ob es sich um Kunst- oder Echtpelz handelt.mehr...

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