Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Rätselhaftes Attentat in Paris

PARIS Bei der Explosion einer Paketbombe in der Pariser Innenstadt ist am Donnerstag ein Mensch getötet worden. Die Hintergründe des Anschlags sind unklar.

Um 12.50 Uhr zerreißt eine Explosion die Stille im zur Mittagszeit weitgehend leeren Gebäude Nummer 52 am Boulevard Malesherbes im Herzen von Paris. In einer Anwaltskanzlei im vierten Stock stirbt eine Sektretärin, die ein Paket geöffnet hat. Ein Anwalt wird durch die Briefbombe schwer verletzt, zehn Mitarbeiter erleiden einen Schock.

Erster tödllicher Anschlag seit elf Jahren

Wer hinter dem ersten tödlichen Anschlag seit elf Jahren in Paris steht, ist auch Stunden danach unklar. Die Ermittler tappen im Dunkeln und sind vorsichtig. Denn das Gebäude bietet Anlass für wild wuchernde Spekulationen: In ihm befindet sich nicht nur eine jüdische Stiftung, sondern auch eine von Staatspräsident Nicolas Sarkozy mitgegründete Anwaltskanzlei.

Noch bis zum frühen Abend ist der vierspurige Boulevard im achten Pariser Bezirk durch ein Großaufgebot der Polizei abgesperrt. Mehr als 150 Meter kommen Passanten nicht mehr an das Gebäude heran. Anwohner sind geschockt. Doch gehört hat die Explosion an der dicht befahrenen Verkehrsader niemand: „Wir merkten das erst als die Feuerwehr kam“, sagt eine Angestellte in einer Drogerie auf der gegenüberliegenden Seite.

Bombe kam per Bote

 Das Motiv sei „im Moment vollkommen unklar“, sagt der Leitende Pariser Staatsanwalt Jean-Claude Marin Stunden nach der Explosion. Ein Bote habe das Paket in einer Transportkassette gebracht. „Es gab zwei Sprengsätze in dem Paket, die bei der Öffnung explodierten. „ Der genaue Empfänger der Kanzlei mit mehreren Anwälten war nicht bekannt. Die Polizei werde nun versuchen, auf Überwachungskameras Bilder des Boten zu finden, sagte Marin.

Der verletzte Anwalt befinde sich im Krankenhaus und sei nicht in Lebensgefahr, sagte der designierte Vorsitzende der Pariser Anwaltskammer Christian Charrière-Bournazel. Laut ihm arbeitete in der Kanzlei auch ein Anwalt, der mit der Affäre um den Korsen Yvan Colonna befasst ist. Dieser steht zur Zeit in Paris vor Gericht, weil er als Mitglied korsischer Unabhängigkeitskämpfer 1998 den dortigen Präfekten ermordet haben soll. Staatsanwalt Marin äußerte Zweifel an einer Verbindung zu dem Colonna-Prozess. Es scheine nicht so, als wäre einer der Anwälte in dem Verfahren tätig, sagte er.

Rätselraten

Die Kanzlei habe „im wesentlichen“ Zivil- und Wirtschaftsfälle betreut. Der Ermittler sieht auch keine Hinweise auf einen versuchten Anschlag auf die Stiftung zum Gedenken an den Holocaust, die laut Charrière-Bournazel auf demselben Stockwerk „gegenüber“ der Kanzlei liegt. Der Bote habe das Paket in die Anwaltskanzlei gebracht, sagte er. Zum Zeitpunkt der Explosion sei niemand in den Räumen der Shoah-Stiftung gewesen. Und ein Attentat auf das Umfeld von Sarkozy? Im selben Haus befindet sich die Anwaltskanzlei, die der heutige Präsident 1987 mit seinem Partner Arnaud Claude gründete. Claude ist noch heute dort tätig. Er hat mit der Wahl Sarkozys den Namen der Kanzlei in „Arnaud Claude & Associés“ geändert, wirbt aber weiter im Internet mit dem prominenten Partner. Allerdings liegt die Kanzlei drei Stockwerke unter der Kanzlei, in der das Paket abgegeben wurde. Innenministerin Michèle Alliot-Marie brach jedenfalls umgehend einen Besuch in Brüssel ab und eilte nach Paris. Am Tatort zeigte sie sich ratlos: „Im Moment gibt es keine bevorzugte Hypothese“, sagte sie.

Anzeige
Anzeige