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Reisen aus dem Supermarkt: «Nicht nur auf die Preise achten»

Köln/Mainz (dpa/tmn) «Wo gibt's denn hier die Kreuzfahrten? - Gleich um die Ecke, zwischen Milchregal und Tiefkühlkost.» Ein solcher Dialog mit dem Verkaufspersonal ist seit kurzem auch in den rund 3000 Rewe-Märkten in Deutschland vorstellbar.

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Die Supermarktkette verkauft seit Ende Januar Urlaubsreisen und folgt damit dem Beispiel von Discountern wie Aldi, Lidl und Penny. Verbraucherschützer sind skeptisch und raten davon ab, sich «im Vorbeigehen» für eine Buchung zu entscheiden: Es gelte «nicht nur auf die Preise zu achten», sagt Carmen Gahmig von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.

Mit Rewe steige «erstmals ein Vollsortiment-Supermarkt in großem Umfang in den Vertrieb von Reisen ein», heißt es bei dem Unternehmen in Köln. Alle vier Wochen soll in den Märkten jetzt ein Prospekt ausliegen, der die Angebote vorstellt, sagt Firmensprecher Pierre de la Motte. In der ersten Ausgabe werden zum Beispiel eine achttägige Mittelmeerkreuzfahrt mit der «Voyager of the Seas» zum Preis ab 749 Euro und ein Dresden-Wochenende mit Semperoper-Besuch ab 209 Euro pro Person präsentiert. Ein 20-Euro-Warengutschein für den Supermarkt-Einkauf soll eine Buchung zusätzlich schmackhaft machen.

Gekauft werden kann allerdings nicht beim Personal an der Kasse, sondern nur von zu Hause aus - über eine Hotline oder im Internet unter «rewe-reisen.de». Auch mit diesem Prinzip unterscheidet sich die Rewe-Gruppe nicht von Aldi, Lidl & Co. Eine Beratung in den Märkten ist nicht vorgesehen, sagt de la Motte. Alle Sicherheiten des deutschen Pauschalreiserechts seien dem Kunden aber garantiert.

Die Buchung von zu Hause aus ermöglicht es dem Urlauber, sich genau zu überlegen, ob er bei einem Angebot zuschlagen will oder nicht, sagt Verbraucherschützerin Gahmig. Ganz wichtig sei, sich gut zu informieren: «Sorgfältiges Durchlesen erspart manche Reklamation.» Zu achten sei bei allen Supermarkt-Angeboten zum Beispiel darauf, ob die Anreisekosten komplett im Preis enthalten sind. Und überhaupt sollten die Tarife immer mit anderen Angeboten verglichen werden: «Es reicht dazu, ein paar Stichworte in eine Suchmaschine einzugeben, das geht superschnell.» Dann werde schnell klar, ob die gleiche Reise bei einem anderen Anbieter nicht noch günstiger zu haben ist.

Hinter den Prospekten von Rewe-Reisen steht die Firma Clevertours.com, die zur Rewe-Touristik gehört. Sie organisiert vom Call-Center bis zur Reiseleitung am Urlaubsort den kompletten Ablauf. Durch die Anbindung an die Rewe-Touristik, zu der auch Urlaubsmarken wie ITS, Jahn Reisen, Dertour und Meier's Weltreisen gehören, seien Qualität und Sicherheit für die Kunden gewährleistet, heißt es bei dem Unternehmen. Ähnlich ist auch das Prinzip von Berge & Meer, einem Reiseunternehmen, das unter anderem die Angebote von Aldi Reisen produziert - im Februar gibt es da zum Beispiel eine Woche im Vier- Sterne-Hotel auf Mauritius inklusive Fluganreise und Halbpension ab 999 Euro. Hier steht die TUI als Gesellschafter im Hintergrund.

Die Supermärkte sind für die Reisekonzerne vor allem ein weiterer Vertriebsweg. Tendenziell werde dabei ein Produkt angeboten, «das sich fokussiert auf eine besonders preissensible Klientel», beobachtet Klaus Laepple, der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Völlig umgewälzt werde die Art und Weise, wie die Deutschen ihren Urlaub buchen, dadurch aber nicht, sagt Laepple: «Ich sehe das alles sehr gelassen. Alle bisherigen Versuche zeigen, dass es sehr schwierig ist, Reisen auf diesem Weg zu verkaufen.» Die Kosten für die Call-Center seien zum Beispiel «mindestens so hoch wie die Reisebüro-Provisionen», die beim Supermarkt-Verkauf entfallen.

Auch in einem anderen Punkt unterscheiden sich Kreuzfahrten und Städtereisen aus dem Supermarktregal nicht groß von anderen Urlauben, die im Reisebüro oder im Internet gebucht werden, sagt Carmen Gahmig: Mehr Beschwerden von verärgerten Touristen als bei den anderen Vertriebskanälen gebe es nicht.

Reisen aus dem Supermarkt: www.rewe-reisen.de

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