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Turnen: Missbrauchsskandal

Richterin über Nassar: „Er wird niemals frei sein“

Lansing Die Auftritte früherer US-Turnerinnen in einem Missbrauchsprozess rütteln die Öffentlichkeit auf. Vor dem Gericht in Michigan schildern sie, wie sie der kriminelle Ex-Teamarzt Nassar zu sexuellen Handlungen nötigte. Dem Mediziner droht eine Rekordstrafe.

Richterin über Nassar: „Er wird niemals frei sein“

Der ehemalige Teamarzt der US-Turnerinnen Larry Nassar hat sich für schuldig erklärt und zugegeben, sieben minderjährige Turnerinnen sexuell belästigt zu haben. Foto: dpa

Ex-Turnerin Kyle Stephens brach in Weinkrämpfe aus, Richterin Rosemarie Aquilina forderte harte Konsequenzen. Am zweiten Tag des Missbrauchsprozesses gegen den kriminellen ehemaligen Arzt des US-Turnverbandes, Larry Nassar, rückte eine Rekordstrafe in ungewöhnlicher Höhe immer näher. „Der nächste Richter, dem er sich stellen muss, wird Gott sein“, sagte Aquilina am Mittwoch (Ortszeit), dem US-Sender NBC News zufolge. „Er wird niemals mehr frei sein.“

Strafmaßverkündung am Freitag

Das Strafmaß für Nassar, der in dunkelblauer Gefängniskleidung im Gerichtssaal von Lansing im US-Bundesstaat Michigan erschien und immer wieder das Gesicht hinter seinen Händen vergrub, soll am Freitag verkündet werden. Der 54-Jährige hatte im November zugegeben, sieben minderjährige Turnerinnen sexuell belästigt und seine Position als Vertrauensarzt beim Verband ausgenutzt zu haben. Fast 140 Turnerinnen haben Klagen gegen ihn eingereicht, etwa 90 von ihnen kommen seit Dienstag in dem Prozess zu Wort.

Auch mehrere prominente US-Turnerinnen haben gegen Nassar ausgesagt, unter ihnen auch die viermalige Rio-Olympiasiegerin Simone Biles. Eindrucksvoll trat vor allem Nassar-Opfer Kyle Stephans auf und nannte den Ex-Mediziner einen „abscheulichen Lügner“. Nassar habe seine sexuellen Neigungen ausgelebt und mit „medizinischen Behandlungen“ gerechtfertigt, die der Entspannung der Becken-Muskulatur dienen sollten.

„Scham, Ekel und Selbsthass“

„Ich fühlte Scham, Ekel und auch Selbsthass, hatte später sogar Depressionen und Essstörungen“, berichtete Stephans. „Ich war besorgt über die Aufmerksamkeit, die ich mit meinen Aussagen erregen könnte und bat um völlige Anonymität“, erklärte die junge Frau und präsentierte vor Gericht zwei Bilder aus ihrer Schulzeit, während der sie von Nassar missbraucht wurde. „Heute sage ich mir, dass ich mich für nichts schämen muss.“

Im Antrag der Staatsanwaltschaft wird eine Rekordstrafe von 45 bis 125 Jahren für Nassar gefordert. Da dieser in einem anderen Prozess wegen Besitzes von Kinderpornografie im Dezember bereits zu 60 Jahren Haft verurteilt worden ist, wird die Strafe möglicherweise auch lebenslang ausfallen.

Brennan ebenfalls im Gerichtssaal

Trainer Thomas Brennan, der mehr als 100 Mädchen zu Nassar zur medizinischen Behandlung geschickt hatte, war am Mittwoch ebenfalls im Gerichtssaal. Während Turnerin Gwen Anderson ihre mit Nassar erlittenen Qualen schilderte, forderte Brennan laut NBC News den früheren Teamarzt auf, den „Opfern in die Augen zu schauen“. Nassar hatte zuvor oft den Kopf geneigt, zur Seite geschaut oder die Augen geschlossen, während die Betroffenen sprachen. „Geh zur Hölle!“, forderte Brennan anschließend.

Von dpa

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