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Ruhm für Franken-König Hans Meyer

Berlin (dpa) - Zu einem Freudentänzchen war «Hans im Glück» nicht zu bewegen, und auch der obligatorischen Bierdusche entzog sich der neue Franken-König. «Sie sollen das Bier lieber saufen, als es mir über den Kopf zu schütten», betonte Hans Meyer in seiner bekannt bissig-ironischen Art.

Die Spieler des 1. FC Nürnberg hatten mit dem Pokalsieg 2007 die staubige Club-Historie endlich wieder aufpoliert. Der erste Titel nach der letzten Meisterschaft vor 39 Jahren mit dem legendären Trainer Max Merkel hat das Frankenland komplett in Ekstase versetzt - und Meyer unsterblich gemacht.

«Irgendwie hat man schon mitbekommen, dass der liebe Gott etwas mit uns vor hatte. Nachdem alle Cluberer so lange gelitten haben, ist das doch eine richtig schöne Sache», sagte der Erfolgscoach über das 3:2 nach Verlängerung im Berliner Finale gegen Meister VfB Stuttgart.

Für Meyer selbst scheint der FCN ein neuer Jungbrunnen zu sein, er hat längst seine Zelte in Bad Hersfeld abgebrochen und residiert nun direkt unterhalb der über 900 Jahre alten Nürnberger Burg. Für den 64-jährigen Trainer, der einst an der Deutschen Hochsportschule für Körperkultur und Sport (DHfK) in Leipzig sein Diplom «gebaut» hatte, ist sein insgesamt vierter Titel die späte Krönung einer bewegenden Karriere als Fußball-Lehrer.

«Ich bin ja auch Historiker, aber ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal Geschichte schreibe», sagte Meyer, der mit dem FC Carl Zeiss Jena drei Mal (1972, 1974, 1980) den DDR-Pokal gewonnen hatte. Nun hat er als erster ehemaliger Ost-Coach, der erst über den Umweg beim niederländischen FC Twente Enschede in die Bundesliga gekommen war, auch einen gesamtdeutschen Titel gewonnen. «Es wurde auch höchste Zeit, denn es sind nicht mehr viele in der Lage dazu. Wir sterben langsam aus», bemerkte der Pokalsieger-Macher.

Meyer selbst war ja praktisch schon in Rente, ehe ihn FCN-Mäzen Michael A. Roth im November 2005 nicht nur mit ein paar Teppichen aus dem Ruhestand lockte. «Meine Enkelkinder brauchen auch noch ein bisschen Geld», erklärte Meyer auch nach dem Pokalsieg lächelnd. Nach einer heftigen Umarmung mit seinem Assistenten Jürgen Raab, den Meyer aus der alten Heimat Jena geholt hatte, eilte der Opa zu den Enkeln («Da habe ich ja eine ganze Menge») auf die Tribüne, um sich die ersten «Bussis» abzuholen. Beim Jubeln in der «Club»-Fan-Kurve, bei der Pokal-Übergabe auf dem Rasen und der Party im «Ritz Carlton»- Hotel am Potsdamer Platz hielt sich Meyer schon wieder zurück: «Vor Freude zu tanzen, das habe ich schon als junger Mann nicht getan.»

Trotzdem genießt der kauzige Coach durchaus die Huldigungen und das Lob seiner Spieler. «Er ist ein perfekter Trainer, ein strenger Typ und sehr hart. Aber er hat etwas geschafft, was man normalerweise mit dieser Mannschaft gar nicht schaffen kann», meinte Javier Pinola, der auch dank Meyer nun sogar eine Einladung zur argentinischen Nationalelf bekommen hat. Platz sechs in der Bundesliga, dazu der DFB-Pokal - und jetzt darf Meyer sogar nochmal auf internationaler Bühne ran. Dort hatte er auch seinen bisher größten Erfolg errungen. «Wenn man mit einer Bezirksauswahl Jena drei Mal Weltklasse schlägt und ins Europacup-Finale kommt, ist das noch ein Stückchen mehr wert als der DFB-Pokal», erinnerte Meyer an das Endspiel der Pokalsieger, dass er mit dem FC Carl Zeiss 1981 gegen Dinamo Tiflis 1:2 verlor.

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