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Sanierung der Paulskirche: Chance für Neu-Präsentation

Frankfurt/Main. Die Frankfurter Paulskirche gilt als Wiege der Demokratie in Deutschland - und nationales Monument. Jetzt muss der Zentralbau saniert werden. Zugleich wird der Ruf nach einer würdigeren Präsentation des Gedenkorts laut.

Sanierung der Paulskirche: Chance für Neu-Präsentation

Die Paulskirche wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg schnell wiederaufgebaut. Foto: Fabian Sommer

Es wurde monatelang debattiert und gestritten. Schon bei der Auftaktsitzung am 18. Mai 1848 konnte man sich nicht auf eine Geschäftsordnung einigen.

Im ersten deutschen Parlament in der Frankfurter Paulskirche wurde Demokratie geprobt und gelebt. Wie kaum kein anderer Ort steht dieses nationale Monument für die Tradition eines demokratischen Deutschlands.

Von den emotionalen Redeschlachten der rund 800 Abgeordneten in der Deutschen Nationalversammlung, die 1849 eine Verfassung mit den „Grundrechten des Deutschen Volkes“ beschlossen, ist heute aber nur wenig zu erahnen. Der elliptische Zentralbau aus rotem Sandstein, 1789 als evangelische Hauptkirche nahe dem Rathaus Römer im klassizistischen Stil errichtet, wurde im alliierten Bombenhagel 1944 bis auf die Grundmauern zerstört.

Nach dem Krieg wurde die Paulskirche zwar schnell wiederaufgebaut. Doch, dem damaligen Zeitgeist gemäß, betont schlicht. Die Säulen und großen Emporen verschwanden für immer aus dem Kuppelbau, der seit seiner Wiedereröffnung im Jahr 1948 nur noch als puristisch anmutende Erinnerungsstätte und Ort festlicher Veranstaltungen benutzt wird. Der Saal bietet Platz für mehr als 1000 Menschen.

Im Foyer der Kirche wird in Vitrinen und auf Schautafeln - ohne jede multimediale Aufbereitung - die Geschichte von Kirche und Parlament erzählt. 20 Jahre alt ist die vom Frankfurter Institut für Stadtgeschichte verantwortete Dauerausstellung, die heute hoffnungslos veraltet wirkt. Von „einer kalten Verwahrlosung“ des „historischen Symbols der Republik“ spricht die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Doch jetzt bietet sich die große Chance, das Kulturdenkmal museumspädagogisch und möglicherweise auch architektonisch in neuem Lichte zu präsentieren. Denn die Paulskirche muss saniert werden. Es geht um den Dachstuhl - und wohl auch um den Brandschutz und andere Haustechnik. Frankfurts Baudezernent hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben. Wann es fertig wird, sei noch ungewiss, sagt seine Sprecherin Barbara Brehler-Wald.

Im Dezernat gibt man sich auch sehr zugeknöpft zur Frage, wie umfassend die Sanierung ausfallen könnte. Sicher ist aber, dass Frankfurt mit beträchtlichen Kosten rechnen muss. Ein schlechter Zeitpunkt für die Stadt, die unter anderem demnächst die maroden Städtischen Bühnen mit vielen hunderten Millionen Euro sanieren oder neu bauen lassen muss.

Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass die Verantwortlichen im Römer sehr zurückhaltend sind, wenn es darum geht, dem Kulturdenkmal neues Leben einzuhauchen. Man warte zunächst das Gutachten des Baudezernats zur Sanierung ab, heißt es dazu im Kulturdezernat.

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte bereits im vergangenen Jahr gesagt, dass eine inhaltlich überarbeitete Dauerausstellung in interaktiver und mehrsprachiger Form wünschenswert sei. Dazu brauche es aber „Aufwendungen im mittleren sechsstelligen Eurobereich“, erklärte sie im Römer auf eine Anfrage der Linken-Fraktion, die sich ebenfalls für eine andere Präsentation der Paulskirche stark macht.

Das bevorstehende 175. Jubiläum der Nationalversammlung im Jahr 2023 wäre aus Hartwigs Sicht der ideale Anlass für einen Neubeginn - dafür bleiben aber nur noch fünf Jahre. „Die Zeit“ sieht bei der Paulskirche aber nicht nur Frankfurt, sondern die ganze Republik gefordert. Das Bauwerk müsse endlich so präsentiert werden, wie es sich für „das nationale Kerngehäuse der Demokratie gebührt“.

Vom stetig wachsenden Strom der Touristen, der die Frankfurter Innenstadt überrennt, verirren sich derzeit nur wenige in die Paulskirche. Ihren großen nationalen Auftritt - mit Liveübertragung im Fernsehen - hat sie nur einmal im Jahr. Im Oktober wird dort der Friedenspreis des Deutschen Buchhandel verliehen - seit fast 70 Jahren immer zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse. Je nachdem wie umfassend die Sanierung der Kirche ausfällt, könnte es mit dieser Kontinuität aber vorerst vorbei sein.

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