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Schnelles Ende eines Billigdienstes

BREMEN Über McPflege reden mochte Norbert Meiners nicht. Am Tag, als der Billigpflegedienst nach nur rund einer Woche seinen Betrieb einstellte, schwieg der Geschäftsführer zu den Umständen. „Schauen Sie auf die Homepage, da steht alles drauf“, sagte er.

Schnelles Ende eines Billigdienstes

War das Unternehmen nur ein Fake, so wie kürzlich die niederländische Organspenden-Show? „Schauen Sie auf die Homepage.“ Also schauen wir nach: „Ernsthaft“ habe sich das Unternehmen der Pflegesituation angenommen, steht dort. „Aufgrund der vielen negativen Reaktionen und der massiven persönlichen Anfeindungen“ ziehe man sich nun vom Markt zurück. Und weiter: „Wir sind nicht länger bereit, im Brennpunkt der Diskussion zu stehen.“

In diesen Brennpunkt war das Unternehmen gerückt, weil es versprach, Rund-Um-Pflege für 1500 Euro im Monat anzubieten – über osteuropäische Pflegekräfte, die McPflege aus deren Heimatländern nach Deutschland vermitteln wollte.

1500 Euro für mehr als 700 Stunden Arbeit - herkömmliche Dienste verlangen gut und gerne das Fünffache. McPflege wollte nur vermitteln, als Anbieter sollten die osteuropäischen Dienste selbst auftreten. Um dem Problem zu entgehen, osteuopäische Arbeitnehmer legal in Deutschland zu beschäftigen, sollten die Pfleger und Pflegerinnen nur für wenige Wochen herkommen. Die Gewerkschaft Verdi hatte deswegen eine Kontrolle des Zolls verlangt, der nächste Woche entscheiden wollte.

"Projekt beendet, gesellschaftspolitische Diskussion angestoßen"

Das Aus ließ schnell Vermutungen laut werden, McPflege habe das Angebot nur vorgetäuscht. Denn gegen Mittag hatte das Unternehmen seinen Abschied nur mit einem schmalen Text begleitet: „Projekt beendet, gesellschaftspolitische Diskussion um die Pflegesituation in Deutschland angestoßen“, hieß es da zunächst, als wäre das der einzige Zweck des Unternehmens gewesen.

Das Ende von McPflege bedeutet nicht das Aus für die Billigpflege in Deutschland: Auch Anbieter wie „24h rundumsorgt“ in München oder „Help4Seniors“ in Düsseldorf vermitteln einen Vertrag mit osteuropäischen Pflegediensten, meist aus Polen oder Ungarn.

Vertreter „klassischer“ Pflegedienste sähen auch sie gerne vom Markt verschwinden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) forderten ein Verbot von Billig-Pflegeanbietern in Deutschland.

"Damit ist gut Pflege nicht zu leisten"

Mit Kräften aus Osteuropa, „die nicht nach unseren Standards ausgebildet und dazu noch ausgebeutet werden“, sei gute Pflege nicht zu leisten, sagte der Verbandspräsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Eberhard Jüttner, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er sah die Pflege in der BRD sogleich „in ernstzunehmender Gefahr“.

Norbert Meiners hatte am Abend offenbar auch von Anrufen genug. Die Homepage seines Unternehmens atlando.de war nicht mehr erreichbar.

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