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Abenteuerliche Wortschöpfungen überfluten die Innenstadt

Denglisch

SCHWERTE „Happy Easter“ verkündet ein Schild in einem Schaufenster am Marktplatz. Verkauft werden dort Easy-Bags und Bottle-Bags. Wer Englisch kann, ist beim Einkauf klar im Vorteil. Zumindest wenn man es nicht ganz so genau nimmt. Denn der Hang zu englischen Werbesprüchen geht nicht immer mit englischem Sprachgefühl einher, wie ein kleiner Spaziergang durch die Schwerter Innenstadt beweist.

von Von Heiko Mühlbauer

, 03.04.2010
Abenteuerliche Wortschöpfungen überfluten die Innenstadt

Frohe Ostern will dieser Hase den Kunden wünschen. Er spricht allerdings nur Englisch.

Stadtführer Uwe Fuhrmann hat da seinen absoluten Lieblings-LKW. Der beliefert ein Restaurant mit Lebensmitteln. Demzufolge steht auf der Seite: „Food ist unser Business“. Warum der Werbestratege in der Satzmitte zum Deutschen gegriffen hat, ist unklar. Vielleicht waren nach Food die O’s aus. Auch die Konkurrenz, die die Rohrmeisterei beliefert, belehrt: „Wir sind die Food-Service-Company“. An manches hat man sich ja gewöhnt: zum Beispiel an den Nice Price und seinen Freund den Best Price. Oder dass der Winterschlussverkauf, einst von Werbestrategen in die Abkürzung WSV gezwungen, nun genau wie sein Bruder, der SSV, nur noch Sale genannt wird.

Anfällig für das Denglische scheinen alle Branchen, die mit Lebensart – Verzeihung Lifestyle – zu tun haben. Vom Hairstylisten über Food und Fashion, Sunny Style Blouses and pants, Interieur-Design – überall wird auch in Schwerte „trendy“ in bunten Lettern getextet. Zu den persönlichen Lieblingen des Autors gehört auch das „Manhatten-Dart-Center“, in das eine Leuchtreklame an der Kuhstraße einlädt. Der ungebildete Amerikaner schreibt ja Manhattan hinten permanent falsch. Gut, dass der Schwerter es besser weiß.

Lernen können die Engländer von uns auch den Gebrauch des Wortes Entertain. Die tun ja manchmal so, als wäre das der Infinitiv eines Verbs, das wir sinngemäß mit unterhalten übersetzen würden. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Hauptwort. Korrekt angewandt in folgendem Slogan der Deutschen Telekom: „Erleben Sie Entertain – viel mehr als Fernsehen“. Ersetzen Sie mal Entertain durch die korrekte Übersetzung „unterhalten“ und sprechen Sie diesen Satz laut vor sich hin. Ganz ehrlich? Das geht doch nicht akzentfrei. Noch besser ist allerdings die Kombination auf einer Fahne vor einer Trinkhalle an der Goethestraße. „Ice, cool & lekker“. Im günstigsten Fall wurde hier Englisch und Holländisch gemischt – alles andere würde zumindest das Abschneiden deutscher Schüler bei Pisa-Tests erklären.