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Alle Züge(l) in einer Hand

SCHWERTE Ein Klick auf die Bahnhofseinfahrt Schwerte, ein weiterer auf den Abzweig Heide. Das neue Stellwerk in Hagen erleichtert die Arbeit der Fahrdienstleiter. RN-Redakteur Reinhard Schmitz erlebte einen Vormittag die Arbeit der Fahrdienstleiter.

von Von Reinhard Schmitz

, 11.01.2008
Alle Züge(l) in einer Hand

An sechs Monitoren beobachtet Martina Ruhmer den Zugverkehr von Westhofen bis nach Holzwickede.

Sobald der Zentralrechner geprüft hat, ob die Strecke tatsächlich frei ist, erhält Zug 92 966 grünes Licht. Als blinkender roter Balken schiebt sich seine Kenn-Nummer über das Gleisbild auf den Monitoren. „Das Schöne ist, dass man hier sieht, was man macht“, schätzt Martina Ruhmer die Vorzüge ihres neuen Arbeitsplatzes im elektronischen Zentralstellwerk Hagen Hpf. Den Handhebeln und Knöpfen, die sie jahrelang in den alten Schwerter Stellwerken zog, trauert die Fahrdienstleiterin keinen Moment nach. Denn bis zu den Signalen konnte der Blick aus den Glaskanzeln damals nicht reichen.Atmosphäre wie in einem Großraumbüro Bevor die Technik aus Opas Dampfeisenbahn auch in der Ruhrstadt im Herbst zum alten Eisen geschickt wurde, hatte sich die 28-Jährige in einem sechswöchigen „Crash-Kurs“ fit gemacht für den Zug der Zeit. Als einzige Frau sitzt sie seither am Schwerter Bedienplatz im Hagener Zentralstellwerk, das mit gedämpftem Licht, schallschluckenden Wänden und Klimaanlage eher einem Großraumbüro gleicht. „Man muss sich noch mehr konzentrieren als früher“, wandern Martina Ruhmers große Augen ständig über die sechs schwarzen Bildschirme, die den Schienenweg von Schwerte bis Holzwickede skizzieren.  Auf der oberen Reihe können wie mit einer Lupe fünf Großansichten des Bahnhofs und eine weitere des Abzweigs Heide aufgerufen werden, die jedes Signal in seiner Farbe anzeigen.Eingreifen bei Verspätungen und Sonderfahrten Zwar erkennt die elektronische Zuglenkung die planmäßigen Züge an ihrer Nummer und stellt ihnen automatisch ihre Fahrwege. Doch bei Sonderzügen oder Verspätungen muss die Fahrdienstleiterin mit der Maus eingreifen, Start- und Zielpunkt zum Durchlotsen anklicken. Genauso wie sicherheitshalber bei allen Verbindungen nach Iserlohn oder Fröndenberg, damit keine Elektrolok auf diese Abschnitte ohne Fahrdraht geschickt wird. Zwischendurch will mal eben der Wunsch des Weichenreinigers erfüllt werden. „Die Weichen 103, 105 und 107“, bittet er über Funk, „müssen zum Schmieren bewegt werden.“ „Aber schnell, gleich kommt der nächste Zug“, schallt es zurück. Vier Mann und eine Vertretung schaffen die Arbeit Virtuos erledigt die jüngste Fahrdienstleiterin diese Aufgaben, die früher auf sechs Kollegen in den vier stillgelegten Schwerter Stellwerken verteilt waren, ganz allein. „Der Planbedarf liegt jetzt bei vier Mann plus Urlaubs- und Krankheitsvertretung“, rechnet Guido Kaiser, Bezirksleiter Betrieb, die Einsparung vor. Für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb am Schwerter Platz wurden deshalb zunächst sieben Schwerter Fahrdienstleiter geprüft. Drei weitere besuchen derzeit die Umschulung von der alten, schweren Hebelmechanik, die Martina Ruhmer nicht einmal als „Muckibude“ vermisst: „Ich bin mit Kind und Hund völlig ausgelastet und brauche kein Fitnessstudio.“   

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