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An den Scheidewegen des Lebens

SCHWERTE Herkunft gleich Zukunft? Die Produktion "Lebensläufer" des Helios-Theaters aus Hamm geht dieser Frage in einem 60-minütigen Stück nach. Es entstand aus den Erfahrungen und Ideen der 15- bis 18-jährigen Darsteller.

22.10.2007

Am Freitagabend gastierte das Jugendensemble im Rahmen der Kooperationsreihe "Sprungbretter" in Halle 4 der Rohrmeisterei. Dass am Westenort zur Zeit umgebaut wird, störte gar nicht. Der Behelfsboden aus Apfelsaft-Tetra-Paks passte gut zu den Improvisationen, mit denen sich das Ensemble die Bausteine einer Biographie vorknöpfte. Es holt diese Bausteine auf die Bühne: weiße Kartons, mal als Klassenraum, mal als unüberwindbare Mauer zusammengerückt.

Je nachdem, welche Station eines Lebens die Wissenschaftler gerade sezieren, und wieder neu zusammensetzen. Das Leben gehört Ralf: früh vaterlos, Arbeiterkind. Der klassische Versager? Zu seinem vierten Geburtstag bekommt Ralf ein Bilderbuch über den "grünen Faden des Lebens".

Lebensfaden verfolgt

Die Forscher nehmen ihn auf, spulen damit vor und zurück. "Wenn du nicht aufpasst, gibt's ein Knäuel, manchmal reißt er sogar". Theaterpädagoge Matthias Damberg hat ein spielwütiges Jugendensemble geformt. Zweimal Klatschen und das Leben hält an. Jetzt werden Weichen gestellt. "Was wäre, wenn...?". Wenn Ralf keine Drähte im Fahrradkeller gespannt hätte, "auf Augenhöhe", wie Klassenlehrer Busenberg betont.

Wenn sich die Erlebnispädagogen im Lehrerzimmer gegen die verbohrten Kollegen durchgesetzt und den Schulverweis abgewendet hätten. Oder wenn Ralf die Ausbildungsstelle als Maurer angenommen hätte, die ihm Onkel Peter beschafft hat. Und dann ist da ja noch Philip, der Außenseiter, wie er in jeder Schulklasse mindestens einmal vorkommt: introvertiert und mit Fahrradhelm, den er selbst im Unterricht nicht abnehmen mag, weil er die Mitschüler so fürchtet. Ralf wäre vielleicht nicht zum "schlechten Umgang" geworden, wenn er Philip vor der obligatorischen Mutprobe bewahrt hätte.

"Du wirst schon wieder der Vater"

Oder ist doch alles genetisch vorprogrammiert und der Spruch "Du wirst schon wie dein Vater" wörtlich zu nehmen? Sarkastisch benennt das Ensemble die Eckpfeiler des idealen Lebenslaufs: "Haus bauen, Baumpflanzschule eröffnen, Familie gründen, Sozialpädagoge werden." Am Ende einer beeindruckenden Aufführung puzzeln die jungen Darsteller die computerberechnete Collage ihrer Gesichter. Der perfekte Ralf?

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