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Anspruchsvolle Freunde

SCHWERTE Programmhefte findet er überflüssig. Der Pianist Paul Badura-Skoda stellt seine Stücke lieber selber vor. Wie bei guten Freunden weiß der Wiener um ihre Stärken und Schwächen – er hat sie über die Jahre lieb gewonnen.

von Von Nicole Jankowski

, 21.10.2007
Anspruchsvolle Freunde

Paul Badura-Skoda spielt seine Stücke nicht nur, zuvor erklärt er sie dem Publikum.

So war das Publikum beim Konzert am Bösendorfer Freitagabend in der Rohrmeisterei bereits fasziniert, bevor der Künstler auch nur eine Note gespielt hatte. Ein anspruchsvolles Programm, einen Slalom der Unspielbarkeiten hatte Badura-Skoda für das Schwerter Publikum ausgewählt. Herausforderungen scheut der 80-Jährige nicht. So sprühend-lebendig wie er über die Werke spricht, so leidenschaftlich und mühelos folgt auch ihre Interpretation am Instrument.Atemberaubende Leichtigkeit Haydns Sonate As-Dur macht den Anfang. Komponiert in jungen Jahren, steckt sie in den Ecksätzen voller Lebensfreude. Für den Pianisten bedeuten die schnellen Läufe höchste technische Anforderungen, die Badura-Skoda mit atemberaubender Leichtigkeit meistert. Im Kontrast dazu das fast mystische Adagio in Des-Dur. Beethovens Waldstein-Sonate, in südlichen Ländern besser bekannt unter dem Titel „Aurora“, die Dämmerung, hatte den jungen Badura-Skoda einst vor technisch unüberwindbare Anforderungen gestellt. Die musikalische Umsetzung des wabernden Morgennebels im Rondo, eine ungeheuer anspruchsvolle Pedalisierung, weiß erst der gereifte Maestro zu würdigen. Die Schwierigkeiten der Coda, mit ihren Läufen in Oktaven und mehrstimmigen Trillern, interpretiert er jedoch noch immer mit jugendlicher Leidenschaft.Auch der Moderne nicht verschlossen Im zweiten Teil des Programms beweist Badura-Skoda, dass er sich auch der Moderne nicht verschließt. Frank Martins Fantasie über Flamenco-Rhythmen, die der Komponist 1973, ein Jahr vor seinem Tod, für Badura-Skoda schrieb, ist ein vitales Werk, das die ständigen Herausforderungen der spanischen Zigeuner musikalisch umsetzt. Robert Schumanns Symphonische Etüden, ein Zyklus von 17 Variationen, die der Romantiker über ein Thema des Baron von Fricken schrieb, beenden das einzigartige Konzert. Nur wenige Pianisten haben dieses Stück in ihrem Repertoire, Paul Badura-Skoda beweist mit fehlerfreier, farbenreicher Interpretation warum er zu ihnen gehört.

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