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Bäcker ist drei Jahre lang zu Fuß unterwegs

SCHWERTE Sebastian ist seit vier Monaten unterwegs. Zu Fuß. Er ist Bäcker und Konditor im Freien Begegnungsschacht und von Potsdam losgelaufen. Er war schon in Schleswig-Holstein und Bayern. Jetzt haben ihn seine Füße nach Schwerte getragen. Zu einem Freund aus längst vergangenen Wohngemeinschafts-Zeiten.

von Von Hilke Schwidder

, 01.03.2008
Bäcker ist drei Jahre lang zu Fuß unterwegs

Wandergeselle Sebastian aus dem Freien Begegnungsschacht bat den Bürgermeister um das Siegel der Stadt.

Gleich geht‘s weiter Richtung Münster. Gleich. Denn jetzt steht der 28-Jährige vor Bürgermeister Heinrich Böckelühr. Er ist auf der Walz. Das signalisieren seine Kleider, sein Wanderstab, sein zusammengeschnürtes Bündel. Auf einen Nachnamen verzichtet der junge Mann für drei Jahre und einen Tag. Die Wandergesellen reden sich nur beim Vornamen an. Und weitere Bedingungen sind mit dieser Tradition verknüpft: Nur wer ungebunden ist, keine Frau und Kinder hat, und nicht vor dem Gesetz auf der Flucht ist geht auf die Walz. Außerdem sind Schulden ein Hindernis. Bis zu zehn Wandergesellen pro Jahr Dass sich die Handwerker auf der Walz im Rathaus vorstellen, gehört zur Tradition. Sie fragen nach Stadtsiegel und Wandergeld. Heinrich Böckelühr schiebt dem jungen Mann einen Fünf-Euro-Schein über den Tisch. Er kennt das Prozedere. Jedes Jahr klopfen bis zu zehn Wandergesellen an seine Tür. Meist Zimmerleute. Bäcker sind nur selten darunter. „Es wird immer schwieriger, kleine Handwerksbetriebe zu finden“, berichtet Sebastian. Die großen Ketten verdrängen sie zunehmend.Keine Bereicherung sondern Bewusstsein wecken Mit fünf Euro hat sich der Geselle auf den Weg gemacht. Mit fünf Euro möchte er in drei Jahren zurückkehren. „Die Walz ist nicht dazu da, um sich zu bereichern.“ Er schaut ernst. Bei den Menschen das Bewusstsein für die alten Handwerksberufe zu wecken, das ist sein Ziel. 

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