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Beschäftigte diskutierten über schlechte Berufsverhältnisse in Kitas

Erzieherinnentag

SCHWERTE Wenig Zeit, mehr Kinder, unsichere Berufsverhältnisse und schlechte Finanzierung – die Liste der Beschwerden des Personals von Kindertagesstätten ist lang. Eine gute Gelegenheit, den Politikern in Düsseldorf auf den Zahn zu fühlen, bot daher der zweite Erzieherinnentag in Schwerte.

von Von Heiko Mühlbauer

, 22.04.2010
Beschäftigte diskutierten über schlechte Berufsverhältnisse in Kitas

Schwerte, GST KIGA Disskussion mit Landtagskandidaten in der Rohrmeisterei

Rund 120 Beschäftigte aus den Schwerter Einrichtungen und andere Interessierte füllten die Rohrmeisterei. Die Sprecherinnen der Schwerter Tageseinrichtungen Corina Berlandieri und Diana Halberscheidt-Wegener erläuterten die Grundprobleme. Die entstehen aus einer Kombination von Bundes- und Landesgesetzen. Berlin hat vorgegeben, dass auch Unter-Dreijährige Anspruch auf einen Platz im Kindergarten haben. Die Koalition in Düsseldorf hat mit den Kinderbildungsgesetz (KiBiZ) dafür den Rahmen geschaffen.

Der ist aber nach Ansicht vieler Experten nicht ausreichend. So sind zwei Erzieherinnen pro Gruppe vorgesehen. Rechnet man Urlaub und Krankheit mit ein, betreut nahezu die Hälfte des Jahres eine Erzieherin eine Gruppe von 20 bis 25 Kindern, darunter auch Wickelkinder. Personalreserven gibt es nicht. Viele Träger arbeiten mit Zeitverträgen, weil sie keine sichere finanzielle Berechnungsgrundlage haben. Für junge Erzieherinnen ist das oft keine Perspektive. „In unserer Klasse am Berufskolleg wollen von 26 Schülerinnen nur vier im Beruf bleiben, der Rest will studieren“, erzählte eine Praktikantin im Anerkennungsjahr.

Dass das KiBiz dringend reformiert werden muss, sehen sogar seine Befürworter ein. So forderte Theresa Kastner (CDU) mehr Personal für Kleinkindergruppen. Allerdings wurde sie auch deutlich: „Erst muss der Platzanspruch für die Dreijährigen erfüllt sein, dann wird an der Verbesserung der Gruppen gearbeitet und zum Schluss kann man über Beitragsfreiheit reden.“ Ein klare Aussage, die im Publikum allerdings nicht gut ankam. Wolfram Kuschke (SPD) forderte, genau wie die Grünen keine Reform, sondern ein komplett neues Gesetz. Das sei allerdings nicht zum Nulltarif zu haben, räumte er ein. Statt über Steuersenkung solle man deshalb mal in die andere Richtung diskutieren.

FDP-Kandidatin Susanne Schneider betonte, dass KiBiz auch positive Seiten habe: So habe sich die Situation für Eltern deutlich verbessert. Komplett kostenfreie Kindergartenplätze und bessere finanzielle Ausstattung der Einrichtungen haben die Linken auf ihrer Forderungsliste.