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Das große Zählen

SCHWERTE Ende des Jahres wird Bilanz gezogen. Für die meisten Geschäftsleute ist der 31. Dezember daher großer Zähltag. Die Jahresinventur steht an.

von Von Christoph Witte

, 28.12.2007
Das große Zählen

Uwe Naujoks muss sich stark konzentrieren: Die Neonsalmler im Becken nehmen keine Rücksicht auf die Inventur.

Uwe Naujoks und seine Mitarbeiter vom Aquarien- und Fischfachhandel Aquado in der Hüsingstraße flitzen nach Ladenschluss mit Kugelschreibern über die Beckenwände und versuchen, dem bunten Treiben hinter den Scheiben Herr zu werden. Neonsalmler und Schwertträger sind nicht gerade die geruhsamsten Zeitgenossen. Das fischige Durcheinander erschwert das Zählen. „Deswegen dünnen wir zum Jahresende die Bestände auch aus“, sagt Uwe Naujoks. Nachbestellungen werden verschoben. Einige Aquarien stehen leer, bieten sich an, um Schwärme aufzuteilen.Jeder hat seine eigene Technik beim Zählen  „Jeder hat seine eigene Technik beim Zählen entwickelt“, so Naujoks. Er fängt oben rechts an, hört unten links im Schwarm auf. Und hofft, „dass keiner ausreißt und alle mit sich zieht“. Dreimal zählt er jedes Becken durch. Kommt er zweimal auf dieselbe Summe, „wird es schon stimmen“. Nicht jedes Blütenblatt, aber doch jede Blume zählen Magdalene Gasser und Kollegen in der Blumenhandlung Blumen-Christina. Ihr Mann Martin hat 32-jährige Routine: „Da ist man nach maximal zwei Stunden durch.“ Die Zählobjekte von Buchhändler Olaf Bachmann verwelken garantiert nicht und halten auch schön still. Dafür ist seine Bestandserfassung besonders schreibintensiv. „Ich notiere jeden Titel und jeden Preis.“ Alles noch per Hand.Von jedem Regal ein Foto   „Physische Vollaufnahme“ nennt der Einzelhändler seine Inventur und scheut dabei keine Mühen. „Ich mache sogar von jedem Regal Fotos – für den Fall einer Plausibilitätsprüfung.“ Am 31. 12. als Abrechnungstag hält er gerne fest: „Das Lager ist nach dem Weihnachtsgeschäft am leersten.“ Viele Unternehmen haben mit dem traditionellen Jahresabschlussrechnen gebrochen: Brigitte Sohn, Marktleiterin von Ihr Platz in der Innenstadt, hat das große Zählen schon Ende Oktober hinter sich gebracht. Da rückte eine Fremdfirma mit 25 Mann an und hakte jedes Teil ab. Die Rewe-Märkte, wie die Fruchtbörse von Peter Hruby, haben das Ende des Geschäftsjahres sogar auf den 31. August vorverlegt. „Das macht heute fast jeder anders“, erklärt Hartwig Tondera, Vorsitzender des Schwerter Einzelhandelsverbandes. „Man muss es nur beim Finanzamt beantragen.“In der Apotheke wird jeden Tag gezählt Heike Nickolay, Leiterin der St.-Viktor-Apotheke, hält ihre Medikamente seit zwei Jahren elektronisch fest – täglich. „Jeden Tag zählen wir 30 bis 40 Artikel durch, so dass wir im Jahr mindestens einmal durch sind.“ Die Inventur wird zwar entzerrt, allerdings häufen sich jede Menge Papierbögen an. Dass im EDV-Zeitalter der Schülerjob „Inventurhilfe“ ausstirbt, ist trotz technischer Errungenschaft wie Mobiler Datenerfassungseinheiten (MDE) wenig wahrscheinlich. Eine MDE kostet 1500 Euro.

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