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Die Kunst des Entrümpelns

SCHWERTE Der Glückspfennig! Birgit Breer streift die Lederhandschuhe ab und angelt nach der kleinen Münze, die irgendwo aus einem Möbelspalt hervorkullerte. Wenn das kein gutes Omen für das neue Künstlerhaus am Markt ist!

von Von Reinhard Schmitz

, 14.12.2007
Die Kunst des Entrümpelns

Eva Witter-Mante und Birgit Breer entrümpeln ihr neues Künstlerhaus.

Mit dem Klar-Schiff-Machen gaben Birgit Breer und ihre Kollegin Eva Witter-Mante den Startschuss für den Umbau des schmalbrüstigen Fachwerkhäuschens am Marktplatz, das im nächsten Jahr mit ihren Ateliers frisch belebt werden soll (wir berichteten).Gelsenkirchener Barock „Jeder Neuanfang ist ein gutes Gefühl, weil man Visionen im Kopf hat“, freut sich Eva Witter-Mante, endlich loslegen zu können. Im blauen Flanellhemd hievt sie mit ihrer Kollegin mit vereinten Kräften eine verwohnte Nussbaum-Kommode die engen Stiegen hinunter. Vorbei an abblätternder gelber Wandfarbe und Riesen-Spinnennetzen wie in einem Gruselschloss. Noch beschränkt das Tageslicht den Tatendrang der beiden Künstlerinnen. Denn der Strom soll erst am nächsten Tag wieder in dem Gemäuer fließen – zunächst nur in einer einzigen Steckdose in dem bereits erneuerten grauen Verteilerkasten.Schleppen wie die Möbelpacker Umso kräftiger spucken deshalb nicht nur die beiden Künstlerinnen, sondern auch ihre Helfer in die Hände. Als wären sie nie etwas anderes gewesen als Möbelpacker, schnappen sich Andre Krieger und Eckhard Warnke das Oberteils eines Wohnzimmerschranks, Modell „Gelsenkirchener Barock“.     Hinter verstaubten Vitrinenscheiben lugt eine Leder beschlagene Rückwand hervor, die auch schon bessere Tage gesehen hat. Der     Unterbau ist mit ein paar gezielten Hammerschlägen in handliche Stücke zerlegt. Bereit für die Sperrmüllabfuhr, deren Arbeit sich vor der Fassade in der Kötterbachstraße türmt.     Rettung in letzter Minute naht dagegen für den massiven Kleiderschrank. „Den bitte nicht zerschlagen“, stellt sich Birgit Breer schützend vor die eichenen Flügeltüren: „Der eignet sich super als Stauraum.“ Gesagt, getan wandert das gute Stück ab in den Keller.D-Mark-Rechnungen und anderer Müll liegt herum Auf einem Extra-Stapel sammeln sich die unzähligen Elektrogeräte: Herde, Kühlgeräte, Fernseher und der schwergewichtige Wäschetrockner, hinter denen jungfräuliche Rechnungen mit D-Mark-Beträgen hervorkommen. Unglaublich, welchen Müll frühere Bewohner in den Stuben zurückgelassen haben. Bloß keine Kühlschranktüren aufmachen, wenn man nicht erleben möchte, wie verschimmeltes Bier aussieht.Die meisten Wände bestehen aus Lehm und Stoh „Wir machen zuerst die Drecksarbeiten“, trifft Eva Witter-Mante den Nagel auf den Kopf. Damit geht es nach dem Entrümpeln im Januar weiter. Mit Wanddurchbrüchen sollen die winzigen Stübchen verbunden werden und mehr Licht erhalten. Eigentlich handelt es sich dabei allerdings mehr um das Freilegen des Fachwerk-Ständerwerks, dessen Gefache mit einem Gemisch aus Weidenruten, Lehm und Stroh verschmiert sind. Aus einem „Probeloch“ rieselte jedenfalls dieses Material an den Tapetenfetzen hinunter.Leitungen selber legen Vor der Arbeit mit Fäustel und Meißel machen sich die Künstlerinnen nicht bange. Selbst die Schlitze für die neuen Elektroleitungen wollen sie wahrscheinlich selbst in den Putz hacken. Auch wenn Eva Witter-Mante gleichzeitig noch eine Skulptur für eine Ausstellung fertig stellen muss, die sie Ende Februar gemeinsam mit Prof. Harald Mante im Schloss Pyrmont präsentieren will. „Die neuen Kinder möchte man immer besonders gerne zeigen“, nimmt sie die Doppelbelastung gern auf sich.Ein Pinocchio als Glücksbringer Mit seiner langen Nase weist ein Maskottchen dabei den Künstlerinnen den Erfolgsweg. Der hölzerne Pinocchio, den Birgit Breer noch gerade aus dem Schutthaufen zog, baumelt als Glücksbringer am Fensterknauf.  

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