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Durch Druck zum schnellen Tor

Tipp-Kick-Spieler suchen Gleichgesinnte in Schwerte

Spielfiguren mit Druck-Knopf über’m Kopf und grüner Filz mit Plastiktoren – Tipp Kick haben die meisten schon einmal gespielt. Aber sicher nicht auf dem Niveau, wie es in Ergste praktiziert wird.

Ergste

, 19.03.2018
Durch Druck zum schnellen  Tor

In der Profi-Variante haben die Tipp-Kick-Männchen ein Edelstahlbein. Geliefert werden sie in Rot oder Blau. Manche Spieler bemalen ihre Figuren aber individuell. „Am besten geht Nagel- oder Modelllack“, sagt Marcel Sammrei. © Foto: Manuela Schwerte

Marcels Farbspiel läuft heute gut. Zügig geht er um den grünen Tisch, platziert sein Männchen und drückt ab. Der zwölfeckige Ball landet im Tor mit dem weißen Netz. Spätestens nach dieser Beschreibung weiß der Fachmann, worum es hier geht. Tipp-Kick, das deutscheste aller Gesellschaftsspiele rund um den Fußball.

Ein Möbelfabrikant aus Stuttgart hat das Tischfußballspiel für Taktiker bereits 1921 erfunden. Seitdem wird es vor allem in Deutschland gespielt. Als Kinderspiel in der Packung mit einer ausrollbaren Matte und gegossenen Figuren, oder auch sportlich ambitioniert, wie bei Marcel und seinen Freunden.

Der 28-jährige ist der Gründer des 1. TKC Torpedo Ergste. Im Mai haben er und drei Freunde den Klub gegründet, um am Ligabetrieb und bei Turnieren anzutreten. Im Moment sind sie noch zu viert. „Das sind genau so viele Spieler, wie man für ein Ligaspiel braucht“, erklärt Marcel, der mit Nachnamen Sammrei heißt. Neben ihm spielen noch Thomas Jahn, Christof Scherner und als einzige Frau Anne Sträßer mit den kleinen Figuren auf dem grünen Filz.

Durch Druck zum schnellen  Tor

© Foto: Manuela Schwerte

Wer Tipp Kick bislang als Kinderspiel kannte, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Die Figuren, mit denen man hier agiert, verfügen über ein Schwungbein aus Edelstahl, das kunstvoll gefeilt wird. Es gibt Spezialisten für Heber oder eben für das Farbspiel. So nennen die Akteure die Kunst, sich den schwarz-weißen Ball so vorzulegen, dass er auf einer bestimmten Seite liegen bleibt. Denn nur so darf der jeweilige Spieler zum zweiten Kick antreten. Das sind auch schon die Grundregeln. Am Ball ist jeweils der Spieler, dessen Farbe beim zwölfeckigen Ball gerade oben liegt. Jeder darf aber nur einmal vorlegen und muss dann aufs Tor des Gegners schießen. Der Gegner darf seinen Abwehrspieler in den Weg stellen, aber dann nicht mehr bewegen. Der Torwart ist mit einem Draht und einem Handgriff versehen und darf im Tor bewegt werden. Ach ja, und nach sieben Sekunden muss der Spieler, der am Zug ist, schießen.

Training im Kindergarten

Die Torpedos aus Ergste trainieren derzeit im Kindergarten des katholischen Gemeindezentrums. „Dass wir den Raum bekommen haben, ist gut“, betont Sammrei. Denn auch wenn man Tipp Kick im eigenen Wohnzimmer spielen kann, wäre das nicht dasselbe.

Seit 18 Jahren beschäftigt sich Sammrei mit dem Spiel. Sein Bruder, der einst bei Borussia Schwerte gespielt habe, nahm ihn mit. „Mich hat das Spiel sofort begeistert“, erzählt er. Und jeder Punkt, den er in Spielen holte, trieb ihn an, mehr zu trainieren. Sogar in der Zweiten Bundesliga habe er schon mal mitgespielt, berichtet Sammrei. Das ist allerdings anders als beim echten Fußball. Denn insgesamt gibt es nur vier Ligen: Die Bundesliga, die Zweite Liga, die Regional- und die Verbandsliga. Die Bundesliga ermittelt seit 1973 jährlich den Deutschen Meister. Der älteste Tipp-Kick-Klub Deutschlands wurde allerdings bereits 1938 in Hildesheim gegründet.

Torarme Spiele gibt es selten

Anne Sträßer ist noch nicht so lange wie Marcel dabei. „Ich habe Tipp Kick kennengelernt, als wir Nachbarn wurden“, berichtet sie. „Wir haben uns immer gefragt, was da für ein Lärm aus der Wohnung von Sammreis kommt.“ Der Lärm war die Begeisterung am Spiel. „Manchmal geht es da schon hoch her“, sagt die 26-Jährige. Anders als Marcel Sammrei spielt sie das komplette Spiel mit einem Kicker durch. Ihr blaues Männchen sei ein Allrounder sagt sie. Und wie zum Beweis holt sie beim Probekick gegen den Vereinsgründer in letzter Minute noch ein unentschieden. 3:3 in einer fünfminütigen Halbzeit. Torarme Spiele gibt es auf diesem Niveau selten. Gespielt wird jeweils zwei Mal fünf Minuten. Vier Spieler bringt eine Mannschaft zum Ligaspiel mit. Jeder muss gegen jeden antreten.

Die Torpedos aus Ergste haben als nächstes Ziel erst mal die Vergrößerung ihres Kaders auf der Tagesordnung. „Ach ja, Sponsoren wären natürlich auch schön“, meint Marcel.

Für Sonntag 25. März, lädt Torpedo Ergste zum Freundschaftsspiel um 14 Uhr ins Gemeindezentrum, Am Kleinenberg 7, ein. Es geht gegen die Scorpions aus Kierspe. Zu einem öffentlichen Training lädt der neue Klub für Dienstag, 27. März, ebenfalls ins Gemeindezentrum St. Monika ein. Ab 16.30 Uhr können Interessenten sich dort selbst mal am Tipp-Kick ausprobieren. Das Spielmaterial wird gestellt. Weitere Infos erteilt der Vereinsgründer, Marcel Sammrei unter Tel. (0152) 04302522.
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