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Ein ganz normaler Brummi?

SCHWERTE Mit den rollenden Supermärkten fürchtet eine ganze Einzelhandels-Branche um ihre Existenz. Und ältere Menschen, für die es bereits jetzt vielerorts keine fußläufig erreichbaren Frischemärkte mehr gibt, könnte die letzte Quelle frischer Nahrungsmittel versiegen.

von Von Holger Bergmann

, 04.10.2007
Ein ganz normaler Brummi?

Michael Schön (48) ist einer von zehn Fahrern der Schwerter Firma Geflügelhof L. Möllenbach, die um die Zukunft ihrer rollenden Hofläden fürchtet.

Grund für diese Sorgen ist eine unspektakulär wirkende Gesetzesinitiative im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages, die eine enorme Einschränkung der Verkaufsszeiten der Läden auf Rädern zur Folge hätte.Lenkzeiten wie bei einem normalen LKW Als Anpassung der Fahrpersonalordnung an geltendes EU-Recht sollen die Lenkzeiten fahrbarer Geschäfte mit einem Gewicht von bis zu 7,5 Tonnen mit normalen LKW gleichgestellt werden. „Wir rechnen mit einem Umsatzrückgang von bis zu einem Drittel, wenn das Gesetz kommt“, befürchtet Gilbert Bäumer, Schwerter Niederlassungsleiter der Firma Geflügelhof L. Möllenbach. Die Niederlassung ist die Heimat von neun Fahrzeugen – „rollenden Hofläden“.Fahrer müssten sechs Tage unterwegs sein Bei einer Gleichsetzung mit normalen LKW würden für die Verkäufer Lenkzeiten von acht Stunden gelten, inklusive An- und Abfahrt. „Momentan stehen unsere Fahrer elf Stunden pro Tag mit ihren Wagen an den Standorten, arbeiten dafür aber nur vier Tage in der Woche“, rechnet Bäumer vor. Kommt die neue Regel, müssten die Fahrer für den gleichen Umsatz sechs Tage unterwegs sein. „Die Männer müssen doch auch mal zum Amt oder zum Arzt“. Außerdem müssten die Fahrer jeden Verkaufsstopp als Pause dokumentieren – eine bürokratische Lawine.Bei Übergabe Inventur Die Fahrzeuge im Schichtdienst mit mehreren Fahrern zu besetzten, ist in diesem Fall unmöglich. „Dann müsste es bei der Übergabe eine komplette Inventur geben“, so Bäumer. Frank Murmann, Kreisvorsitzender der Unnaer Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT), sieht von dem Gesetz vor allem die kleinen Direktvermarkter gefährdet. „Ein Landwirt oder ein Bäcker, der nur mit einem Fahrzeug verkauft, hat keine Chance mehr. Das ist eine Gefährdung der Nahversorgung auch in unserem Kreisgebiet.“

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