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Ende ohne großen Bahnhof

SCHWERTE Der Abschiedsgruß „Gut Dampf“ musste auf Geheiß von oben sofort wieder vom Kohlentender abgewischt werden.

22.10.2007

Auch Erinnerungsfotos konnten nur heimlich geschossen werden, als die Dampflok „50 1751“ vor 40 Jahren generalüberholt aus dem Eisenbahn-Ausbesserungswerk (AW) davonstampfte. Mit der 43 869. Maschine endete am 19. Oktober 1967 die Dampflokreparatur in Schwerte-Ost. Das Sterben des Werkes, das in Blütezeiten bis zu 4000 Menschen Arbeit gab, begann. 1987 schlossen die Tore endgültig. „Dieser Abschied von einem Verkehrsmittel, das sich fast 150 Jahre bewährte, kam nicht überraschend“, erklärt Ortsheimatpfleger Josef Wilkes. Es sei bekannt, dass bereits 1926 das AW Schwerte die ersten beiden 150-PS-Triebwagen mit Maybach-Motoren erhalten habe: „Dies war eigentlich schon der Anfang vom Ende der Dampflokomotive“.

In den 60-er Jahren sei dann die Überlegenheit der Diesel- und Elektrolok deutlich geworden. Sie war kostensparender in Betrieb, Wartung und Reparatur. Zehn Jahre nach der letzten Dampflok-Reparatur in Schwerte ließ die Bundesbahn deshalb das Feuer im letzten Kessel erlöschen. „Mit der Einführung der Diesel- und Elektrolok veränderte sich das Berufsbild des Lokführers und sein Ansehen in der Bevölkerung“, beobachtete Wilkes. Waren die rußgeschwärzten Männer doch geradezu als Inbegriff der Herrschaft des Menschen über die Maschine angesehen worden. Als beamtete Staatsdiener genossen sie Privilegien, verpflichteten sich anderseits aber auch zum Verzicht auf Streiks. „Doch dieser Mythos von Herrschaft und Freiheit ist inzwischen verdampft“, erläutert Wilkes schon an der neuen, nüchternen Berufsbezeichnung „Triebfahrzeugführer“.

Mit den Dampfloks verschwanden auch die Wassertürme, Wasserkräne, Kohlenbunker und Drehscheiben, die jahrzehntelang die Schienenstränge geprägt hatten. Lange noch überdauerten im Ruhrtal nur die majestätischen Flügelsignale von anno dazumal. Doch auch mit dieser Romantik ist es seit vergangenem Monat vorbei.

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