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Fallen von Schwerte nach Dortmund viele Züge aus?

Ausfälle auf der Bahnstrecke

Kommt der Zug pünktlich? Oder überhaupt? Viele Bahnfahrer, die von Schwerte nach Dortmund wollen, schimpfen. Statistiken aber sprechen eine andere Sprache.

Schwerte

, 13.03.2018
Fallen von Schwerte nach Dortmund viele Züge aus?

Nagelneue Züge vom Typ Pesa Link wollte die Deutsche Bahn eigentlich schon seit Dezember 2016 auf der Regionalbahn nach Dortmund einsetzen. Doch der polnische Hersteller hat sie immer noch nicht ausgeliefert. In Tschechien – hier im Bahnhof Decin – sind die wegen ihrer markanten Kopfform „Shark“ (engl.: Hai) genannten Triebwagen unterdessen schon längst im Einsatz. © Foto: Reinhard Schmitz

Zwei Stunden lang kein einziger Zug nach Dortmund. Dabei war dort der Anschluss-ICE in Richtung Holland schon gebucht. Die Vorfreude auf eine schöne Tagestour war den Schwerter Eisenbahnfreunden vergangen, als sie am Samstagmorgen auf dem kalten Bahnsteig auf den 7.20-Uhr-Triebwagen warteten. „Es kam nur mehrmals durch den Lautsprecher, dass die nächste Bahn erst um 9.20 Uhr abfahren würde“, berichtet Detlef Gebhardt. Noch aufgeregter seien zwei Frauen gewesen, die pünktlich zu ihrem Flieger nach Düsseldorf mussten.

„Zwei Stunden keinen Zug fahren zu lassen, das ist eine Nummer“, ärgert sich Gebhardt noch immer. Dabei soll die Regionalbahn 53 am Wochenende alle 60 Minuten, an Werktagen sogar halbstündlich rollen. Doch der Fahrplan tauge in jüngster Zeit eher als Gradmesser für Verspätungen oder gar Zugausfälle, schimpfen Pendler, die täglich mit der Ardeybahn nach Dortmund unterwegs sind.

Die Bahn kann das so nicht bestätigen

„Das sind subjektive Einzelbilder“, sagt Uli Beele, Sprecher des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe, der den Zugverkehr im sogenannten Sauerland-Netz bei der Deutschen Bahn bestellt hat: „In den letzten vier Wochen kann ich das nicht bestätigen.“ Da habe die Regionalbahn 53 „keine gravierenden betrieblichen Probleme aufgeworfen“.

Automatische Zähler an den Bahnhöfen – so erläutert Beele – erfassten jeden Zug bei der Ein- und Ausfahrt, um die Pünktlichkeit zu überprüfen: „Wir kriegen jeden Tag einen Betriebsbericht.“ Laut Statistik habe die Pünktlichkeit auf der Ardeybahn im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 94,4 Prozent gelegen, im Jahre 2016 bei 95,5 Prozent: „Das ist ein recht stabiler Betrieb.“ Doch bei jeder einzelnen Abweichung werde eine Vertragsstrafe fällig.

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Eigentlich sollten schon neue Züge fahren

Für die Probleme, die auf das gesamte Sauerland-Netz durchschlagen, macht Beele die eingesetzten Züge verantwortlich. „Die eigentlich bestellten Fahrzeuge sind von dem Hersteller in Polen noch nicht ausgeliefert worden.“ Eigentlich sollten die modernen Triebwagen vom Typ Pesa Link bereits seit Dezember 2016 im Einsatz sein. Doch weil „die technischen Anforderungen an die neuen Züge seitens des Herstellers noch nicht vollständig erfüllt werden konnten“ – so heißt es auf einer Internetseite der Deutschen Bahn – habe die Fahrzeugflotte nicht termingerecht zur Verfügung gestanden.

„Die Vereinbarung mit DB Regio zum Einsatz der Fahrzeuge läuft jetzt auf das Jahr 2018 heraus“, sagt Beele, der sich aber auf kein konkretes Datum festlegen will. Bis dahin bleibt es wohl beim Ersatzkonzept für das Sauerlandnetz, das DB Regio mit unterschiedlichen Fahrzeugen gestrickt habe.

Besonders alt sind die eingesetzten Züge nicht

Auf der 38 Kilometer langen Ardeybahn Dortmund-Schwerte-Iserlohn pendeln dabei hauptsächlich die gewohnten roten Triebwagen vom Typ Coradia Lint 41 des Herstellers Alstom Deutschland. Die Baureihe ist weder besonders alt noch exotisch. Laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia rollen mehrere Hundert Exemplare auf den Schienen. Sie werden seit 1999 gebaut – für langlebige Schienenfahrzeuge keine Rekord-Einsatzzeit.

Die Deutschen Bahn konnte am Dienstag Fragen zu Problemen auf der Ardeybahn noch nicht beantworten. „Leider sind unsere Fach-Kollegen entweder außer Haus oder – wie so viele andere derzeit auch – im Krankenstand“, schrieb ein Bahnsprecher und bat um Verständnis: „Sobald wir Informationen vorliegen haben, kommen wir auf Sie zu.“

Gruppe von Samstag nahm eine andere Strecke

Die Eisenbahnfreunde wussten sich am Samstag zu helfen. Sie wichen auf eine andere Route aus. „Wir sind über Hagen und dann mit der Regionalbahn über Herdecke nach Dortmund gefahren“, erzählt Gebhardt. Dort habe der gebuchte ICE zwar nicht auf die Gruppe gewartet, aber wegen des Zugausfalls habe man die Fahrkarte auch noch für den nächsten ICE benutzen dürfen. Es wurde noch ein schöner Tag in Utrecht.

Trotzdem kann Gebhardt über die Erlebnisse mit der Bahn nach Dortmund nur mit dem Kopf schütteln, wenn er an Dampflokzeiten zurückdenkt. Damals sei Pünktlichkeit oberste Devise gewesen: „Da hob der Schaffner die Kelle, wenn der Uhrzeiger oben auf der Zwölf war – und dann war der Zug weg.“

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