Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Fehler in Grundstein-Inschrift von St. Viktor entdeckt

Falsche Zahl

Bei den alten Römern stehen Buchstaben für Zahlen. Die Zahl 500 wird beispielsweise mit einem "D" dargestellt. Doch in der Inschrift im Grundstein der St. Viktor-Kirche ist fünfmal das "C", die Zahl für 100, zu lesen. Ein plumper Fehler. Der Entdecker des Missgeschicks glaubt jedoch an Absicht.

SCHWERTE

von Von Reinhard Schmitz

, 03.11.2011
Fehler in Grundstein-Inschrift von St. Viktor entdeckt

Ein kleines Dach schützt den 500 Jahre alten Grundstein am Chor von St. Viktor. Die Schreibweise der römischen Ziffern in der oberen Zeilen ist für den Experten Günter Röhrscheidt einzigartig.

Die alten Römer hätten den Steinmetz ausgelacht. Oder ihn als Strafarbeit 100 Mal die Berichtigung in die Fassade von St. Viktor meißeln lassen. Wie konnte der Mann doch die Jahreszahl - also 1508 - der Grundsteinlegung so entstellen. Fünfmal wurde das "C" für 100 hintereinander gereiht - macht 500. Prinzipiell gar nicht falsch, da im römischen System große Zahlen durch kleinere dargestellt wurden, die man hintereinander schrieb und dann addierte. Jedoch verwendeten Cäsars Männer für die Zahl 500 ein eigenes Zeichen: ein "D".

Fünf Jahrhunderte lang unentdeckt blieb die fehlerhafte Inschrift an der Außenfassade des Chorraums. In drei Zeilen war dort die Grundsteinlegung von 1508 quasi als steinerne Urkunde bezeugt worden. Eine Inschrift, die der pensionierte Mathematik-Lehrer und Kirchen-Experte Günter Röhrscheidt mit dem Rotstift angestrichen hätte. „Viermal das C gibt es häufiger“, weiß er: „Aber fünfmal - das ist nirgendwo anders bekannt.“ Als Begründung hat der 80-Jährige, der sich seit 60 Jahren mit der St.-Viktor-Kirche beschäftigt, seine eigene Legende entwickelt: „Der Steinmetz hat vor der Jahreszahl bei ,Anno Domini’ das Wort ,Domini’ vergessen“, sagt Röhrscheidt. Dadurch sei die Zeile zu kurz geworden, was durch die fünfmalige Wiederholung des C kaschiert worden sei. Denn der Austausch des Steins im südlichen Stützpfeiler wäre äußerst schwierig gewesen.

Mit dem kleinen Trick kamen alle drei Zeilen auf die gleiche Länge. „Anno MCCCCCVIII op sunte ambrosius dach ward dit angelegt“ (Im Jahre 1508 am Hl.-Ambrosius-Tag wurde dies angelegt) war dort zu lesen. „Es sind die kleinen Besonderheiten, die unsere Kirche so liebenswert machen“, sagt Röhrscheidt schmunzelnd.

Lesen Sie jetzt