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Fitmachen für den Partnermarkt

SCHWERTE „Der Aktive auf dem Markt gewinnt“. Sagt Antje. Wenn Antje vom Markt redet, dann meint sie nicht die Wirtschaft. Obwohl es auch in ihrem Markt Angebot und Nachfrage gibt. Antje ist Single, 60 Jahre alt. Sie will sich „fitmachen lassen für den Partnermarkt“. Deshalb ist im Haus Villigst. „Kontakt erwünscht – Single-Kurs 35+“.

von Von Moritz Riesewieck

, 13.08.2007
Fitmachen für den Partnermarkt

Antje und Helge wollen sich fit machen lassen für den Partnermarkt.

17 andere sitzen um sie herum. Auch sie sind Singles, haben feste Partnerschaften gehabt, bis sie die Launen oder Aggressionen des Anderen nicht mehr ertragen haben, bis sie bemerkt haben, dass die Liebe von einst nur noch das Festhalten an einem Strohhalm ist. Zwölf Jahre hat Antje gebraucht, um „loszulassen“. Dann hat sie einen Neuen kennengelernt. Als sein chronisches Fremdgehen unerträglich geworden ist, hat sie auch ihn verlassen.

Immer mehr lassen sich mit 50 noch scheiden

Diplom-Soziologin Kerstin Pasch kennt solche Geschichten. Zusammen mit Sozialarbeiter Christian Korte leitet sie den von der Diakonie angebotenen Kurs. „Immer mehr Menschen lassen sich auch mit 50 noch scheiden“, weiß sie. „Dann ist es besonders schwierig, noch mal von vorn zu beginnen“. Helge kann davon ein Lied singen. Der 54-Jährige aus Werne schätzt die Anzahl seiner erfolglosen Blind Dates auf 300. Fast immer hat er die Frauen übers Internet kennengelernt. Mehr als ein One-Night-Stand oder eine lockere Freundschaft ist nie daraus geworden. „Die meisten Singles klammern sich zu sehr an ein bestimmtes Idealbild“, erklärt die Kursleiterin. Dabei ist Helge die Haarfarbe eigentlich egal. Das Gesicht muss ihn ansprechen. Antje dagegen sucht einen Mann, der etwas älter ist und gebildet, offen, bereichernd. Jedenfalls keinen, der nur seine Probleme abladen will: „Auch mit 60 sucht man Erotik!“. Der zweitägige Kurs will neben Kommunikationstraining auch Forum für Tabu-Themen sein. Beim Bier ist es aus einem der Teilnehmer herausgeplatzt. „Der hat sich sein Liebesleben von der Seele geredet“, berichtet Alexandra. Die 38-jährige Paderbornerin hatte jahrelang lose Partnerschaften. Nun will sie endlich eine verlässliche Beziehung.

Es gibt Anfänger und Fortgeschrittene

Ob sie im Kurs Erfahrungen austauschen kann, frage ich. „Na ja“, stockt die sonnengebräunte Frau, die nach eigener Aussage „Männer studiert hat“: „Es gibt hier eben Anfänger und Fortgeschrittene“. Viele seien zu verklemmt. „Begeisterung für sich selbst entdecken, das ist der erste Schritt“, raten Pasch und Korte. Und: „Körbe nicht gleich persönlich nehmen, dran bleiben.“ Samstagabend haben sie die Teilnehmer zur Ü30-Party in die Rohrmeisterei geschickt: Härtetest. Alexandra und Antje sind schon um 1 Uhr zurück gewesen. Kein Erfolg. Die männlichen Teilnehmer versuchten ihr Glück bis 5 Uhr morgens. Einer strahlt: Ihre Telefonnummer hat er schon mal. Immerhin. Helge und die beiden Frauen werden weitersuchen. Auf jede Flaute folgt schließlich irgendwann der Aufschwung.

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