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Gier frisst das Gewissen

VILLIGST "Gier frisst Hirn" ist ein alter Banker-Spruch. Gier frisst aber auch das Gewissen, glauben viele Mitglieder des Sozialausschusses der Landeskirche, der am Samstag in Haus Villigst tagte.

von Von Heiko Mühlbauer

, 09.03.2008

Gemeinsam mit den kreiskirchlichen Sozialausschüssen und dem Männerdienst hatte man zu einer Tagung eingeladen, die sich mit dem Thema Armut und Reichtum beschäftigte. Prominentester Referent war NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann, der sich kritischen Fragen stellen musste.

"Armut die eine Seite einer Medaille, deren andere Reichtum ist", so die Vorsitzende des Sozialausschusses der evangelischen Landeskirche, Ursula Bolte. Reichtum dürfe weder verklärt noch dämonisiert werden. Dennoch müssen die Reichen ihren Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leisten. "Die Aktualität hat uns eingeholt", verwies Bolte auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Steuerflüchtlinge in Liechtenstein. "Und geht es nicht um eine Neiddebatte", betonte Bolte.

"Wer über Steuern diskutiert, darf nicht an Landesgrenzen halt machen", befand Laumann. Die Debatte um gerechte Steuersätze hätten die Regierungen längst nicht mehr selber in der Hand. Wenn Unternehmen nach Osteuropa zögen, um keine Steuern zu zahlen und Standorte nutzen, die mit EU-Mitteln ausgebaut werden, könne man das nur auf Europaebene lösen.

Außerdem plädierte Laumann dafür, dass die Sozialversicherungssysteme nicht alleine von den sozialversicherungspflichtigen Jobs getragen werden dürften. "Wenn jemand 7,50 Euro pro Stunde verdient und davon 1,50 Euro Sozialbeiträge zahlt, ist das nicht in Ordnung", mahnte er. Eine Lösung für dieses Dilemma hatte aber auch der Sozialminister nicht im Gepäck. Von Steuerfinanzierung bis zur Kopfpauschale hätte sich keine Idee als sinnvoll erwiesen.

Zumindest eine Hoffnung verbindet aber den Minister und die Sozialausschüsse: Es scheint, als ob das Thema soziale Gerechtigkeit wieder modern würde. 

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