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"Ja, Menschen können fliegen"

SCHWERTE Jedes Jahr kommen Tausende von Besuchern zum Welttheater. Wir haben drei von ihnen gebeten, uns über ihr Welttheater zu schreiben. Aber nicht irgendwelche Leute, sondern Schwerter, die eine Innenansicht auf die Welt der Bühne haben. Hier lesen Sie, wie Theaterregisseur Christoph Falke das Festival erlebt hat.

von Von Christoph Falke

, 26.08.2007
"Ja, Menschen können fliegen"

Christoph Falke

Nachmittags auf dem Markt. Les Trétaux du Coeur Volant/ Die Wanderbühne der fliegenden Herzen hat aufgebaut. Die Akrobaten prüfen die Maschinerie, trainieren und proben. Jean Genet hat den Schauspieler mit dem Seiltänzer verglichen. Der liebt sein Seil wie seine Seele, pflegt es, schützt es, hängt sein Leben von ihm ab. Auf ihm tanzt er und führt die Zuschauer zum Staunen. Auch ein Schauspieler kann abstürzen und sein Bühnenleben verlieren. Auf dem Markt applaudieren zufällige Passanten der Akrobatik. Die Tänzer bleiben ungerührt. Jetzt tanzen sie nur mit dem Seil.

Überall ertönt Musik, scheinen Lichter

Das Festival hat begonnen. Ein zweiter Strom fließt durch die Stadt überbordend wie die Ruhr in diesen Tagen. Überall ertönt Musik, scheinen Lichter und leiten diesen Fluss zu immer neuen Begegnungen, Gesprächen und Abschieden. Wildfremde Menschen lachen gemeinsam. Die Bash-Truppe spendet mit mimischer Präzision - wie auf einem Seil tanzend – dem großen Buster Keaton eine Hommage. Aus einem Zelt bellt die anarchistische Folklore der Banda di Palermo. Eine Freundin rätselt: „Ist das Zirkusmusik oder eine Beerdigungskapelle?“ Ja, irgendwas dazwischen, das Leben.

Aufatmender Applaus belohnt die Akrobaten

Ungezählte Aktionen überall. Das Fest pulst auf Mitternacht zu. Über dem rappelvollen Markt tanzen die Akrobatinnen in der Luft. Sie schwingen sich hoch. Ihre Hände lösen sich. Der Zuschaueratem stockt. Schwereloser Salto. Sicherer Griff - aufatmender Applaus. Ja, Menschen können fliegen. Und am nächsten Morgen trainieren die Artisten schon wieder . 

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