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Päckchen für Babuschka

HENNEN „Liebe Pascha“ setzt Michael Altmann die Feder an. Für den Brief, der von seiner Familie und der Weihnacht im fernen Deutschland erzählt.

von Von Reinhard Schmitz

, 23.12.2007
Päckchen für Babuschka

Im Weihnachtsbrief dankt "Babuschka Pascha" ihrem Unterstützer Michael Altmann.

Immer in den Dezembertagen fühlt sich der Jurist seiner „Babuschka“ Proskowja Nikitina (78) im russischen Nowotscherkassk besonders nah. Wie ihre Freunde darf er sie mit der Namens-Kurzform Pascha anreden. Seine persönlichen Zeilen geben dem Lebensmittelpaket besonders Wärme, mit dem der 62-Jährige regelmäßig den Hunger der Rentnerin in der Hauptstadt der Don Kosaken lindert. Monat für Monat wird ihr von seinen Spenden ein kleiner Vorrat an Öl und Zucker, Mehl und Makkaroni, Fleischkonserven oder den so beliebten grünen Erbsen auf den einfachen Küchentisch der Einraumwohnung gestellt. Aufruf Ende der 90-er Jahre „Von unserer Vergangenheit her hätten wir allen Grund, den Russen etwas Gutes zu tun“, war Altmann sofort dabei, als er Ende der 90-er den Aufruf las: Adoptieren Sie eine Babauschka! Denn singen, spielen, tanzen, lachen – das war die Babuschka in der Schlagerwelt von Karel Gott. Der raue Alltag vieler russischer Rentnerinnen sieht anders aus. „Die Durchschnittsrente liegt bei 13 Dollar im Monat“, weiß der Hennener. Ein Leben, geprägt von bitterer Armut, Kälte und auch Einsamkeit. „Die allermeisten Rentner sind wohl Verlierer der Perestroika“, weiß Jutta Stricker, Vorsitzende des Hilfswerks „Kirche im Osten“. Unter dem Dach des evangelischen Kirchenkreises Iserlohn rief der Verein deshalb die erfolgreiche Aktion Babuschka ins Leben. Die Hilfe kommt direkt an  Sie vermittelt Spenden-Patenschaften direkt zu hilfsbedürftigen Rentnern in der Iserlohner Partnerstadt, 1000 km südlich von Moskau. „Das hat mich einfach überzeugt“, erklärt Altmann: „Zumal man einen Gegenüber hat und die Hilfe direkt ankommt.“ So wie der Hennener denken mittlerweile 225 Spender in ganz Deutschland, die monatlich etwa 13 Euro zur Verfügung stellen. Von der Summe packt die Partner-Kirchengemeinde in Nowotscherkassk Pakete, um sie persönlich an die Babuschkas zu verteilen. Drei Tage unterwegs sind die Helfer, die sich unbezahlten Urlaub nehmen. Auf diese Weise werden Transportkosten und umständliche Zollformalitäten erspart.Freiwillige übersetzen die Festtagsbriefe Andere freiwillige Mitarbeiter übersetzen vor Ort die unzähligen Festtagsbriefe ins Russische, die Pastor Vladimir Romanenko als Kurier abgeholt hat. „Wenn´s geht, lege ich ein Foto bei“, berichtet Altmann: „Und ein paar Euro, damit man sieht, dass Weihnachten ist.“ Ein Stern der Hoffnung, der als tiefes Glück nach Hennen zurückstrahlt. „Ich bete für euch“, schreibt Babuschka Pascha in ihrem Dankesbrief. Wie immer von Jutta Stricker übersetzt, berichtet das knuddelige Papier, wie gut die Hilfe aus Deutschland tut. Denn die Trockenheit verdarb die Ernte im kleinen Garten, während die Lebensmittelpreise durch die Inflation um 20 bis 40 Prozent steigen. Trotzdem sparte sich die Rentnerin ein paar Rubel vom Munde ab, um ihre Hennener Freunde mit einer Schachtel russischer Pralinen zu überraschen.

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