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Richter gibt Doktor eine bittere Pille

SCHWERTE Weißer Kittel aus, Häftlingsblaumann an: Zu zwei Jahren Freiheitsstrafe ohne Bewährung wurde gestern der 72-jährige Schwerter Internist im Hagener Landgericht verurteilt.

von Von Reinhard Schmitz

, 09.10.2007
Richter gibt Doktor eine bittere Pille

Plädoyers und Urteil verfolgten angehende Verwaltungsfachangestellte des Berufskollegs Hagen mit ihrem Lehrer Ernst Volbers (vorn r.).

Das Schöffengericht IV war überzeugt, dass der Doktor einen angeblichen Einbruch in seine Schwerter Praxis am 26. Januar 2005 nur vorgetäuscht hatte, „um in den Genuss der Versicherungssumme zu kommen“. Einen Schaden von rund 35 000 Euro hatte er angegeben – zum großen Teil für längst in die Jahre gekommenes medizinisches Gerät. Hartnäckig wurden diese Ansprüche trotz der laufenden Anklage in einem Zivilverfahren weiterfolgt. Ein „Missbrauch der Justizorgane“, der für Vorsitzenden Richter Brass eine schärfere Bestrafung verlangte.

Konkurs angemeldet

Als Motiv für die Tat sah das Gericht eindeutig die wirtschaftliche Lage des Angeklagten an. Dieser habe schon vor Jahren Konkurs angemeldet und gemeinsam mit seiner Ehefrau die Eidesstattliche Versicherung abgegeben. Trotzdem führte der kunstliebende Arzt weiterhin ein Haus, in dem nach den Worten einer Zeugin „kein Platz an der Wand mehr frei“ für weitere Bilder war. „Was sollten unbekannte Täter mit 14 Jahre alten Monitoren anfangen“, fand Brass dagegen überhaupt kein Motiv für die angeblichen Täter. Wegen des Preisverfalls sei damit überhaupt „kein Staat zu machen“. Dagegen hätte die Versicherung wohl auch das zugehörige Gerät ersetzen müssen, wenn die passenden Monitore nicht mehr lieferbar waren.

Versicherungs-Komplott

Zwei Rechnungen, mit denen die Anschaffung der Praxisgeräte belegt werden sollte, waren nach Ansicht des Gerichtes gefälscht. In weiser Voraussicht habe die ausstellende Firma, die es übrigens nie gegeben habe, dabei schon die fünfstelligen Postleitzahlen benutzt – lange bevor diese in Deutschland eingeführt wurden. Die These, dass hinter den Ungereimtheiten ein großes Komplott der zahlungsunwilligen Versicherung stecken könnte, verwies Brass in das Reich der Fabel. Mit seinem Schuldspruch für den bereits justizbekannten Schwerter folgte er dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Dagegen hatten die drei Verteidiger in ihren Plädoyers, die jeder Gerichtsshow im Fernsehen zu fetten Einschaltquoten verholfen hätten, vergeblich einen Freispruch gefordert.

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