Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Signal überprüft Bedürftigkeit der Kunden

Gebrauchtwarenhaus

SCHWERTE Vier Stühle für den Tisch: Jutta Liebscher wusste genau, was sie kaufen wollte. Doch im Sozialkaufhaus an der Ernst-Gremler-Straße wurde die 55-Jährige direkt nach Hause geschickt – ohne Möbel. Nur noch an offiziell ausgewiesenen Bedürftigen wird dort verkauft.

von Von Anne Petersohn

, 09.04.2010
Signal überprüft Bedürftigkeit der Kunden

Jutta Liebscher lebt von einer Erwerbsunfähigkeitsrente - 670 Euro im Monat.

„Man hat mir mitgeteilt, dass ich nur noch mit einem Bewilligungsbescheid der ARGE oder des Sozialamtes dort einkaufen darf“, erklärt die Fröndenbergerin. Sie war mit einer Freundin zum Einkaufen in die Ruhrstadt gekommen, wollte bei Signal in den alten Möbeln stöbern, um etwas Passendes für ihr Esszimmer zu finden. Als sie erfuhr, dass das Gebrauchtwarenkaufhaus seine Waren nur noch an offiziell ausgewiesene Bedürftige verkaufen darf, wurde sie wütend. „Ich fühle mich diskriminiert.“

Denn die gelernte Krankenschwester lebt von einer Erwerbsunfähigkeitsrente, rund 670 Euro im Monat. „Ich bekomme kein Geld vom Amt, nicht mal ein Sozialticket“, klagt Liebscher, „doch im Grunde habe ich nicht mehr als ein Hartz IV-Empfänger.“ Wo, wenn nicht im Sozialkaufhaus, solle sie überhaupt noch zu erschwinglichen Preisen einkaufen? Eine Antwort auf diese Frage versucht Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer der ARGE im Kreis Unna, zu geben. Noch immer stünden sieben der zehn Gebrauchtwarenhäuser im Kreis für alle Kunden offen. „Beschränkungen gibt es nur dort, wo Ein-Euro-Kräfte eingesetzt werden“, erklärt Ringelsiep.

Denn die ARGE fördere die Kaufhäuser in Schwerte, Bönen und Bergkamen in besonderer Weise, komme selbst für die Entlohnung der Mitarbeiter auf. „Den Betreibern entstehen keine Kosten.“ Das bedeute aber gleichzeitig, dass diese Häuser gemeinnützig sein müssten. „Sie dürfen nicht in den Wettbewerb eingreifen und können nur an Bedürftige verkaufen.“ Eigentlich sei diese Auflage bereits seit zwei Jahren bekannt. Gerade in letzter Zeit habe es bei der Einhaltung der Vorschriften jedoch Verwischungen gegeben. „Seit der vorletzten Woche überprüfen wir die Bedürftigkeit wieder verstärkt“, erklärt Signal-Geschäftsführer Olaf Heppe. Die Auswahl an Möbeln, Kleidung und Geschirr in der Ostenstraße stehe nach wie vor für alle interessierten Kunden offen.

Jutta Liebscher ist auf dieses Angebot nicht eingegangen – und schließlich in Holzwickede fündig geworden. Die aktuelle Entwicklung macht ihr Sorge. „Ich frage mich, wie lange ich überhaupt noch im Sozialkaufhaus einkaufen kann.“