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Kleider für Menschlein, die es nicht geschafft haben

Spezielle Kleidung für Sternenkinder und Frühchen

Wenn Babys auf die Welt kommen, haben sie Kleidergröße 50 oder 56. Die gibt es im Laden. Frühchen sind viel kleiner. Um spezielle Kleidung für sie kümmert sich der Verein „Herzenssache“.

Lichtendorf

, 28.04.2018
Kleider für Menschlein, die es nicht geschafft haben

Diese Taufkleider sind für Babys, die die Nottaufe erhalten, weil klar ist, dass sie bald sterben werden.

Jana Kirsch breitet die selbst gestrickte Kleidung auf ihrem Wohnzimmertisch aus: eine kleine dunkelblaue Mütze mit weißen Ankern, eine Hose ebenso winzig und in der gleichen Farbe und dazu ein rot-weiß gestreiftes Oberteil mit einem Loch an der Seite. „Das Loch ist für die Schläuche, die werden dann so gut versteckt, dass sie gar nicht wirklich auffallen“, erklärt Jana Kirsch. Seit mehr als zwei Jahren näht sie für den Verein „Herzenssache – Nähen für Sternchen und Frühchen“. Für die kleinen Kinder, die zu früh das Licht der Welt erblicken und auch für die, die den Kampf leider verloren haben.

Seit Mai 2013 dürfen auch die sogenannten „Sternenkinder“, Kinder die mit einem Gewicht von unter 500 Gramm tot zur Welt kommen, beerdigt und standesamtlich eingetragen werden – wenn die Eltern das wünschen. Für so kleine Menschen bietet die Industrie keine Kleidung an. Aus diesem Grund stellen die Mitglieder von „Herzenssache“ Kleidung für Frühchen und Sternenkinder her. „Wir nähen ab Größe 32, das meiste sind die Größen 40, 42 und 44“, so Kirsch. Normale Neugeborene haben Konfektionsgrößen von 40 bis 56.

„Für die Sternenkinder nähen wir kleine Sternenbötchen mit Andenken für die Eltern.“ Das seien dann zum Beispiel zwei kleine Engel, einer kommt mit zu dem Sternenkind, eines dürfen die Eltern behalten. Oder auch Kleidung mit einem Herzchen und einem Herzen für die Angehörigen.

Die Sternenbötchen, die Kirsch präsentiert sind winzig klein. Zusammengefaltet sind sie kaum größer als ein Kugelschreiber. „Man kann sich kaum vorstellen, dass da ein Baby rein passt“, meint Jana Kirsch. „Aber es ist so und sie sehen dank der Kleidung wirklich schön aus, wie ein richtiges Baby.“

Kleider für Menschlein, die es nicht geschafft haben

Jana Kirsch mit genähter Kleidung. © Marén Carle

„Das ist das Schönste“

Ein Sternenkind habe sie in den genähten Bötchen noch nicht gesehen, Frühchen in der Kleidung schon: „Das Schönste ist zu sehen, wie sehr sich die Eltern über das Geschenk freuen und dankbar sind für die Kleidung.“ Eine Mitarbeiterin arbeite im Krankenhaus und zeige dann Fotos mit den Frühchen in der Kleidung.

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Die Kleidung gibt der Verein direkt und kostenlos an Krankenhäuser in der Nähe weiter. „Insgesamt sind wir fünf Leute, die alles organisieren.“ Um genügend Kleidung zusammen zu bekommen, findet alle zwei bis drei Monate ein Nähtreff statt. Der nächste Termin ist Samstag, 12. Mai, von 11 bis 18 Uhr. Dann treffen sich die Aktiven in der St.-Christopherus-Gemeinde, Rosenweg 75, in Holzen. „Jeder, der Lust hat, mitzumachen, kann sehr gerne kommen, wir freuen uns über jeden Helfer. Zuschnitte und Anleitungen stellen wir zur Verfügung. Auch alle, die häkeln und stricken können, sind willkommen.“

Kommen und gehen kann jeder, wie es am besten passt. Für Verpflegung ist gesorgt. Mitgebracht werden müssen nur Nähmaschinen, Mehrfachstecker und Nadeln. „Aber auch wer keine Nähmaschine hat, kann gerne kommen, ein paar haben wir immer als Reserve über“, so Kirsch.

Zwei Workshops


Zusätzlich finden dieses Mal auch zwei Workshops statt: ein Wickelshirt-Workshop von 12 bis 14 Uhr und ein Bodyworkshop von 15 bis 17 Uhr. „Klar ist es ein bedrückender Anlass, so etwas geht jedem nahe. Aber die Stimmung beim Nähen ist trotzdem immer gut.“

Für Nottaufen – wenn Kinder noch leben, aber klar ist, dass sie sterben – gibt es besondere Taufkleider: „Die nähen wir aus gespendeten Hochzeitskleidern“, erklärt Kirsch. Perfekt nähen können müsse man nicht, um mitzuhelfen: „Wir sind zu fünft da, um zu helfen und zu beraten.“

Wer sich für einen der Workshops anmelden möchte, die im Mai beginnen, kann das per E-Mail tun.