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Auf der Jagd nach Wildschweinen

CAPPENBERG Die sogeannte Drückjagd ist eine besonders schonende Form der Jagd. Sie soll durch möglichst wenige Störungen im Wald den den Bestandsschutz ermöglichen. RN-Mitarbeiter Malte Bock begleitete eine Drückjagd im Cappenberger Wald.

von Von Malte Bock

, 25.01.2008

Kräftiger Wind peitscht leichten Nieselregen vor sich her. Meine Finger sind klamm. Das Wetter ist - wohlwollend ausgedrückt - ungemütlich. Ich sitze im Jagdrevier von Reinhold Schulze Altcappenberg auf einem Hochsitz und begleite eine Drückjagd auf Schwarzwild, die übergreifend in mehreren Jagdrevieren unweit der Lünener Straße sowie im ehemaligen Munitionsdepot der Bundeswehr stattfindet.

"Keiner verlässt den Stand"

Dicht an dicht harre ich neben dem Landwirt der Dinge, die da kommen. Vor uns liegt Ackerland, der Waldrand ist gute 100 Meter entfernt, ebenso die Lünener Straße. Dort hat ein Jogger meine Aufmerksamkeit geweckt, der sich trotz der widrigen Wetterbedingungen gen Siebenpfennigsknapp quält. "Noch eine Viertelstunde", bemerkt Reinhold Schulze Altcappenberg und reicht mir nach diesem Blick auf die Uhr ein Bonbon. Um Punkt 10 Uhr soll die Jagd beginnen und bis 13 Uhr andauern. "Keiner verlässt während dieser Zeit seinen Stand, egal was passiert", hatte Schulze Altcappenberg die weiteren Jagdteilnehmer während einer Vorbesprechung instruiert.

Selten ein Schuss vom Hochsitz

Der Jäger lädt nun in Seelenruhe sein Gewehr, lässt mich einmal durch sein Visier schauen und erklärt die Eigenschaften seiner "Flinte". All zu optimistisch, zum Schuss zu kommen, ist er allerdings nicht, haben wir doch auf einem "Eventuell-Hochsitz" Platz genommen. Tiere von dem Hochsitz aus zu sehen, sei eher unwahrscheinlich, verkündet er mir.

Wenn der Wind jagt

Geplant sei, den Aussichtsstand nach der Hälfte der angesetzten drei Stunden Jagdzeit zu verlassen, um mit einem Jagdhundeführer den Wald zu durchkämmen. Ich verstaue daher meine Kamera wieder unter der Jacke. Der Wind bläst mir zum wiederholten Male die Kapuze vom Kopf. Mit einem Sprichwort beantwortet Reinhold Schulze Altcappenberg meine Frage, ob das Wetter bei einer Jagd eine Rolle spiele. "Wenn der Wind jagt, sollte der Jäger nicht jagen." Doch so schlimm sei es noch nicht.

Das Fell ist zu dunkel

Unsere Gespräche werden von Hundegebell unterbrochen, die Stöberhunde haben ihre Arbeit aufgenommen. Und nur wenige Minuten später passiert das, was eigentlich gar nicht passieren sollte. Ein Wildschwein läuft im vollen Galopp über die freie Fläche zum gegenüberliegenden Waldrand. Reinhold Schulze Altcappenberg springt auf, zögert jedoch. "Das Fell des Tieres ist schon sehr dunkel", erklärt er und fügt hinzu, "wir schießen nur die Braunen". Gemeint sind damit Sauen bis zu 50 Kilogramm, Frischlinge und braune Stücke, deren Fell sich wie bei älteren Tieren noch nicht schwarz verfärbt hat. Somit soll ausgeschlossen werden, aus Versehen eine tragende Bache zu erlegen. Die Jagd auf das Schwarzwild diene vornehmlich der Bestandsreduktion. "Die Tiere haben eine Vermehrungsrate von 300 Prozent", klärt mich Landwirt Schulze Altcappenberg auf. Wildschweine gelten zudem als Hauptüberträger der Schweinepest auf Hausschweine.

Erfolgsmeldung per Handy

Im Gebiet hinter uns, dem Areal des Munitionsdepots, ertönen mehrere Schüsse. Die Spannung steigt. Wir bleiben einige Minuten stehen. "Wenn man darauf wartet, passiert eh nichts", erklärt der erfahrene Jäger und setzt sich wieder. Doch weit gefehlt. Nur Minuten später sind es zwei Tiere, die über die Ackerfläche laufen. Eines davon mit eindeutig braunem Fell. Trotz der Entfernung gibt Reinhold Schulze Altcappenberg einen Schuss ab. Im Nachhinein erklärt er, er habe damit die anderen Jäger auf die Tiere aufmerksam machen wollen. Eine Taktik, die aufgeht. Ein weiterer Schuss ertönt im Wald, wenig später erhält Reinhold Schulze Altcappenberg per Handy eine Erfolgsmeldung.

Den Wald durchkämmen

Wir verlassen den Hochsitz und treffen Jagdhundeführer Horst Stecher. Mit seinen drei Terriern wird er gemeinsam mit uns den Wald durchkämmen. Für mich eher mühselig, da ich - auf einen solchen Einsatz nicht vorbereitet - immer wieder damit beschäftigt bin, Brombeerranken aus meiner Jeanshose zu entfernen. Autsch! Die Terrier scheuchen dicht neben mir einen Fasan auf, meine Aufmerksamkeit ist wieder geweckt. Reinhold Schulze Altcappenberg führt mich zu einem tiefen Loch, dass Wildschweinspuren aufweist. Vorbei an Dachsbauten, über Bäche und Baumstämme, erreichen wir den Hochsitz von Heino Janßen, dem Vorsitzenden des Cappenberger Heimatvereins. Mit kurzen Rufen machen wir die Jäger auf den Hochsitzen auf uns aufmerksam, damit wir nicht - trotz unserer orangenen Warnwesten - versehentlich zum Ziel werden.

Wildschwein im Gebüsch

Nach einem kleinen Plausch mit Heino Janßen ziehen wir weiter, doch plötzlich schlagen die Hunde an. Sie haben ein Wildschwein entdeckt und treiben es in ein Gebüsch direkt neben uns. Reinhold Schulze Altcappenberg greift an sein Messer, sein Gewehr hat er ungeladen im Auto zurückgelassen. Horst Stecher pirscht sich vorsichtig an das Dickicht heran, ich bemühe mich in der Nähe Reinhold Schulze Altcappenbergs zu bleiben. Die Anspannung ist groß. Doch das Wildschwein ist nicht aufzufinden. Wenig später schlägt Terrier Pepper wiederum an. Er hat allerdings nur ein bereits erlegtes Tier aufgestöbert.

Eine schöne Strecke

Ein Schuss in unmittelbarer Nähe lässt mich zusammenzucken. Reinhold Schulze Altcappenbergs Handy klingelt. Es ist Heino Janßen. Er hat das Wildschwein erlegt. Zehn Tiere sind es am Ende; eine schöne Strecke, wie die Jäger finden. Mich erfreut eher die warme Gulaschsuppe auf dem Hof Schulze Altcappenberg. Nach und nach trudeln dort alle der rund 40 Jagdteilnehmer ein. Zum Schluss erklärt man mir auch die Tradition dieser Zusammenkunft: "Jäger sollten nicht übereinander, sondern mehr miteinander reden."

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