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Dürre hinterlässt Spuren

Friedhelm May, Chef des landwirtschaftlichen Ortsvereins Selm, zu den Ernteaussichten

15.05.2007

Herr May, die alte Bauernregel sagt: ?Mai kühl und nass füllt dem Bauern Scheun und Fass?. Gilt das auch jetzt? May: Das muss man sehr differenziert betrachten. Das Sorgenkind ist die Wintergerste. Da waren zuerst die Blattläuse, die den Gelbverzwergungsvirus in die Pflanzen gebracht haben. Die Gerste wächst dann einfach nicht. Dazu kam die Trockenheit. Das hat dazu geführt, dass in Selm 15 Prozent der Wintergerste umgepflügt werden musste. Einige Bestände haben es noch geschafft. Aber auch da wird der Ertrag schlechter ausfallen. Läuse und Dürre zusammen haben im Raum Selm bei der Gerste starken Schaden angerichtet. Wie sieht es mit dem Weizen aus? May: Der Weizen steht auf guten, Wasser führenden Böden ganz normal. Aber auf Sandböden ist es zu starker Ausdünnung gekommen. Da ist keine gute Ernte zu erwarten, 20 bis 25 Prozent weniger als normal. Vor allem im Bereich Ternsche gibt es diese sandigen Böden. Und wie ist es um den Mais bestellt? May: Den hat der Regen gerettet. Dort wo er auf Sandböden steht, wächst er jetzt gut. Wo die Maissaat im Lehmboden liegt, ist sie noch nicht aufgegangen. Das wird nun aber wohl bei den meisten Pflanzen passieren. Gab es bei der Düngung Probleme? May: Der Mineraldünger konnte natürlich nicht wirken, weil kein Regen ihn löste. Wer dagegen Gülle gefahren hat, war im Vorteil, weil die Gülle Wasser enthält und der Dünger damit an die Wurzeln kommt. Wann war es zuletzt so lange trocken? May: An eine so lange Dürre im Frühjahr kann ich mich nicht erinnern und meine Kollegen auch nicht. 36 Tage hat es gedauert. Wie groß ist der Schaden für die heimischen Bauern? May: Das hängt von der Größe und der Lage des Hofes ab. Aber der Verlust geht in Einzelfällen in die Tausende. Immerhin gab es durch die Trockenheit keinen Pilzbefall. Die Kosten für Fungizide konnten wir also sparen. Auf der anderen Seite werden die Futtermittel durch die Dürre teurer. Wer zufüttern muss, ist also zusätzlich belastet. Wer ersetzt den Landwirten den Schaden? May: Niemand. Das ist das Risiko, mit dem die Landwirtschaft leben muss. Wenn der Klimawandel tatsächlich mehr Trockenheit in unsere Region bringt, dann müssen wir uns mittelfristig auf Getreidesorten umstellen, die dürretoleranter sind. Eventuell müssen solche Sorten auch gezüchtet werden.

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