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Gynäkologie vor der Schließung: Abschiedsstimmung

SELM/LÜDINGHAUSEN Die engagierten Bürger wollten einen Weg zur Rettung der Gynäkologie am Marien-Hospital finden. Doch am Ende der Versammlung im evangelischen Gemeindezentrum am Stephanusweg herrschte Abschiedsstimmung.

von Von Theo Wolters

, 25.10.2007
Gynäkologie vor der Schließung: Abschiedsstimmung

Pfarrer Stephan Kreutz überreichte Chefarzt Dr. Joachim Zucker-Reimann das Buch der Lüdinghausener Kinder.

Stehend bedankten sich die Bürger beim Chefarzt der Gynäologie Dr. Joachim Zucker-Reimann. Zuvor hatte Pfarrer Stephan Kreutz ihm das Buch der Lüdinghausener Kinder überreicht. Sehr ergriffen bedankte sich der Chefarzt für dieses tolle Buch. „Ich kenne sicher nicht alle aufgeführten Kinder. Das Buch ist ein Zeichen der Anerkennung für die gute Arbeit in den letzten Jahren“, so der Chefarzt. Er werde dies in seiner Abteilung auslegen.

Keine Rettung möglich

Hatten einige Bürger noch auf eine Rettung der Abteilung gehofft, so mussten sie am Mittwochabend aber einsehen, dass es wohl keine Zukunft geben wird. Landrat Konrad Püning und Bürgermeister Richard Borgmann machten deutlich, es gibt keine Zukunft, da man das ganze Krankenhaus im Blick haben müsse. „Wenn wir jetzt nicht Maßnahmen ergreifen, steht das Krankenhaus in zwei Jahren vollständig vor dem Aus“, so Richard Borgmann. Über 7100 Unterschriften für den Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe waren in den letzten Wochen gesammelt worden. Frauenärztin Walburga Beckmann und Pfarrer Stephan Kreutz überreichten die Listen Richard Borgmann. „Diese Schließung bedeutet kein Interesse an den Frauen der Region“, so die Frauenärztin. Diese Politik sei nur an Wirtschaftlichkeit orientiert. „Es ist eine Politik gegen das Volk.“ Die Frauen seien mit Freude ins Marienhospital gegangen, nun müssten sie weite Wege in Kauf nehmen.

Umdenken kommt zu spät

Richard Borgmann versprach die Unterschriften an die Bundes-Gesundheitsministerin und die Familienministerin weiterzuleiten. Borgmann: „Ich bin dankbar für die Unterschriften, doch hat das Krankenhaus keine Zeit mehr.“ Er hoffe, dass dieser Protest die Politiker in Berlin zum Nachdenken bringe, doch für Lüdinghausen komme ein Umdenken zu spät. Borgmann erklärte ganz deutlich, das Kuratorium habe keine andere Möglichkeit gesehen. „Die neuen Partner sind bereit zu investieren.“ Sie ständen aber nur unter der Voraussetzung zur Verfügung, wenn die Abteilung geschlossen werde. „Das Kuratorium hat viele Gespräche, auch mit anderen Krankenhäusern geführt. Doch die jetzt gefundene Umstrukturierung ist die einzige Möglichkeit, das Krankenhaus auf Dauer in Lüdinghausen zu sichern.“

Chefarzt nicht einbezogen

Während der sachlichen Diskussion wurde immer wieder Unverständnis für die Entscheidung laut. Besonders kritisiert wurde, dass man den Chefarzt nicht in die Beratung einbezogen hatte. „Dr. Zucker-Reimann hat sicherlich noch einige Ideen, aber danach ist nicht gefragt worden“, so Walburga Beckmann. Der Chefarzt zeigte ebenfalls wenig Verständnis für den Weg der Entscheidung. „Trotz Anfragen bin ich nie über Zahlen informiert worden.“ Richtig wäre es gewesen, die Dinge vor ein oder zwei Jahren anzupacken.“ Nun werde man von der Politik und ihren Gesetzen überholt. „Die Entscheidungen sind falsch. Wir müssen doch etwas für Familien und Kinder tun, schließen aber eine so wichtige Abteilung.“ Von rund 900 Kliniken in Deutschland würden vielleicht 150 bei der Gynäologie in etwa kostenneutral arbeiten. „Wollen wir die anderen nun etwa alle schließen?“, fand er zum Abschluss deutliche Worte.

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