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Kinder spielten auf den Straßen und im Selmer Bach

Vor 40 Jahren ausgewandert

SELM/YARKER(KANADA) Lena Koch ist in der Hermannsiedlung aufgewachsen und vor 40 Jahren ins kanadische Yarker ausgewandert. Wir veröffentlichen in einer lockeren Serie ihre Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend.

von Von Lena Koch

, 06.04.2010
Kinder spielten auf den Straßen und im Selmer Bach

Lena Koch lebt heute in Kanada.

Wir spielten als Kinder hauptsächlich auf der Straße. Da war es egal, ob es trocken war oder regnete. Die Straßen in unserer Siedlung waren alle aus Kohlenschotter gemacht.

  Wenn es regnete, hatten wir herrliche Pfützen. Wir hatten tolle Wettbewerbe, wer am besten über die Pfützen springen konnte. Es war wunderbar, wenn der Dreck dann so hoch spritzte, dass es später mächtig Schimpfe zuhause gab. Man konnte auf den nassen Straßen toll rennen und rutschen. Wenn man mal kräftig hinfiel, liefen zwar die Tränen, aber das hielt nie lange. Wir waren doch alle recht hart im Nehmen. Die Wunden wurden selten gesäubert. Ich habe heute noch einen blauen Punkt in meinem Knie von einem Unfall auf der Straße. Wenn es trocken war, konnten wir viele Spiele draußen spielen. Auch die Hauswände waren echt prima zum Ball spielen. Im Sommer gingen wir oft zur Hermannwiese und spielten im Selmer Bach.

Wir gingen die Netteberge hoch und spielten in der verbotenen Sandkuhle. Diese Sandkuhle hat so mach ein Kind auf dem Gewissen. Dann waren da die Bombentrichter mit den alten Ruinen von der Zeche Hermann. Mensch war das herrlich, wenn wir auf den alten Mauern Panzer spielten. Hin und wieder wurde auch noch eine Bombe gefunden und entschärft. Wir Kinder hatten mächtig Glück. Die Teiche, die wir Bombentrichter nannten, waren voll kleinem Zeugs: Blutsauger, Frösche, Salamander, Stichlitze und natürlich gab es auch Mücken. Stundenlang spielten wir da. Aber irgendwann ging es dann nach Hause. Wir mussten ja alle schon immer um 20 Uhr im Bett sein.