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Modellbauer können ihre Flieger endlich steigen lassen

Luftsportgruppe Silbermöwe aus Selm

Nicht nur Kraniche kreisen im Frühjahr am Himmel, auch Silbermöwen: die Flugzeuge der Modellbauer. Für die Luftsportgruppe Silbermöwe aus Selm war allerdings längeres Suchen notwendig, denn Naturschützer waren nicht so glücklich mit den Flugplänen des Vereins.

Selm

, 07.03.2018
Modellbauer können ihre Flieger endlich steigen lassen

Im Winter lassen die Mitglieder der Luftsportgruppe ihre Modelle in der Sporthalle des LAFP steigen. © Foto: Jürgen Weitzel

Hinter Mark Schönfleisch und seinen 45 Mitstreiter der Luftsportgruppe Silbermöwe liegt ein schweres Jahr. Der Vorsitzende des kleinen Vereins lehnt sich beim Erzählen zurück und atmet tief durch; „Aber wir haben es geschafft“. Ein neues Vereinsgelände ist gefunden – trotz mancher Widrigkeiten. Im Frühjahr 2017 hatten die Modellbauer erfahren, dass sie sich nicht nur um Rumpf, Tragflächen, Thermik und anderen Flugfragen werden kümmern müssen, sondern auch um ein Grundstück. Das bisherige Vereinsgelände auf einer Industriefläche an der Werner Straße stand nicht mehr zur Verfügung. Die Stadt hatte es verkauft. Gut für die Stadt, schlecht für den Verein. „Geeignete Flächen sind rar“, bestätigt Peter Driesch.

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Verein Silbermöwe aus Selm lässt Flieger steigen

Nicht nur Kraniche kreisen im Frühjahr am Himmel, auch Silbermöwen: die Flugzeuge der Modellbauer. Wir haben der Luftsportgruppe Silbermöwe bei ihrem Treffen zugesehen.
07.03.2018

Der ist kein Modellbauer und -Pilot, sondern Sachgebietsleiter des Bereichs „Natur und Umwelt“ beim Kreis Unna. Zwar habe der Selmer Verein keine luftaufsichtliche Genehmigung durch die Bezirksregierung benötigt – „es werden ja nur Segler und Modelle mit Elektromotor gestartet“ –, die Untere Landschaftsbehörde musste aber zustimmen. „Ich kann mich noch gut an die Schwierigkeiten vor mehr als zehn Jahren erinnern, als der Verein ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Platz war.“, so Driesch. Gemessen daran, sei es jetzt einfacher gewesen.

„Bedenken zerstreut“

Nachdem unsere Redaktion im Mai 2017 über die Platznöte der Modellflieger berichtet hatte, meldete sich der heutige Verpächter. Er bot eine Fläche im Außenbereich an: ein 15 mal 100 Meter großes Wiesenstück am Wörenberg. Schönfleisch und seine Kollegen freuten sich – anders als Naturschützer und Anwohner. „Ich bin froh, dass Gutachten Bedenken zerstreuen konnten, sagt Peter Driesch. Nicht etwa am grünen Tisch, sondern tatsächlich draußen im Grünen seien Lärmmessungen der Flugzeuge mit einer Spannweite von 50 Zentimeter bis 3,50 Meter erfolgt. „Sie blieben wie erwartet unter den Richtwerten.“ Im Außenbereich liegen diese laut Technische Anleitung Lärm tagsüber bei 60 Dezibel, während der Ruhezeiten mittags bei 55 Dezibel und abends bei 45. Zum Vergleich: Verkehrslärm wird mit 75 Dezibel angegeben, Rasenmäher liegen bei 70. „Allerdings wird Lärm individuell unterschiedlich empfunden“, so Driesch.

Modellbauer können ihre Flieger endlich steigen lassen

Marc Schönfleisch © Weitzel

Auch für die Nachbarschaft mit Steinkäuzen sei eine Lösung gefunden worden, sagt er. „Das Gute ist ja, dass sich beide ohnehin kaum begegnen.“ Die Vögel seien nachtaktiv, die Modellbauer gingen nur tagsüber ihrem Hobby nach. In der Zeit der Aufzucht von Jungen, wenn die Vögel früher Nahrung suchen müssten, seien die Nutzungszeiten für den Verein eingeschränkt worden. „Damit können wir gut leben“, sagt Marc Schönfleisch. Peter Thiene von der Naturschutzgruppe des Sauerländischen Gebirgsvereins sieht das anders. „Ich hätte es nicht erlaubt, dass dort Modellflugzeuge fliegen“, sagt er.

Vorbehalte gegen den Verein

Dass es Vorbehalte geben würde, sei dem Verein klar gewesen, sagt Berthold Wissmann, Sprecher der Modellbauer. Er habe deshalb mit seinen Kollegen das Gespräch gesucht: sowohl mit den Anwohnern als auch mit den Jagdpächtern. „Wir sind ein kleiner Verein und nicht besonders fleißig“, sagt er. Aber sie bräuchten eine Fläche zum Fliegen, sonst könnten sie nach mehr als 40 Jahren Vereinsgeschichte ihr Hobby nicht mehr ausüben.

Nach der Winterpause, in der die Silbermöwen nur in der Sporthalle der Polizeischule Bork flogen, startet jetzt das Training draußen auf dem Gelände, auf dem keinerlei Aufbauten geplant sind. „Jeder ist willkommen, uns zu besuchen, wenn wir vor Ort sind“, so Wissmann.

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