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Mutter fühlt sich vom Jugendamt im Stich gelassen

SELM Viele Jugendämter in Deutschland sind nicht erst seit den letzten Fällen in Dortmund, wo zwei junge Mädchen mit ihrem todkranken Vater zusammen lebten, in der Kritik. Personell unterbesetzt fehlt es vielen Ämtern an Resourcen, um tätig zu werden. Im Stich gelassen fühlt sich auch die Selmer Mutter Sophie Kretzschmar.

10.03.2008
Mutter fühlt sich vom Jugendamt im Stich gelassen

Im Moment ist Christopher ganz ruhig. Darüber sind Mutter Sophie Kretzschmar und Michael Richter sehr froh. Über das Jugendamt der Stadt Selm ärgern sie sich jedoch alle drei.

Ihr Sohn Christopher ist geistig behindert und bedarf eigentlich einer 24-stündigen Pflege. Bis Mitte November ging er noch auf die Bodelschwingh-Schule in Bergkamen. Da er aber dort durch aggressives Verhalten auffällig wurde, wurde er in Rücksprache mit der allein erziehenden Mutter vom Unterricht frei gestellt.

Situation geschildert

"Danach waren wir beim Jugendamt und haben die Situation geschildert", sagt Michael Richter, der Sophie Kretzschmar seit Jahren beisteht. Sophie Kretzschmar machte das Jugendamt auf ihre schwierige Lage aufmerksam. "Ich habe noch zwei Töchter, dazu mit Christopher jemanden, der meine volle Aufmerksamkeit braucht." Daher sei eine Unterbringung von Christopher in eine Einrichtung, in der er 24 Stunden am Tag betreut wird, am sinnvollsten.

Christopher rastet aus

Mitte Dezember wurde das Gespräch mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst geführt. Laut Sophie Kretzschmar und Michael Richter tat sich dann nichts mehr. Am 3. Januar dann der Knall. Der 13-jährige Christopher rastete aus. Er griff seine Mutter an und zerstörte die komplette Einrichtung seines Zimmers. Sophie Kretzschmar verständigte in ihrer Not die Polizei, die Ordnungs- und Jugendamt hinzuzogen. Christopher wurde daraufhin in die Kinder- und Jugendpsychiatrie nach Hamm überwiesen. "Dort hat man sich dann um ihn gekümmert", sagt Michael Richter.

 Platz in Witten gefunden

In Therapiesitzungen und mit Medikamenten wurde er soweit behandelt, dass er am 13. Februar wieder nach Hause konnte. "Das Jugendamt hat aber weiter nichts getan", sagt Sophie Kretzschmar. In Eigeninitiative und mit Hilfe des Sozialen Dienstes in Hamm habe man dann eine geeignete Einrichtung für Christopher in Witten gefunden. Dort soll er ab dieser Woche rund um die Uhr betreut werden. "Die haben da ganz viele Tiere. Das gefällt mir super", sagt der 13-Jährige. Ihm tun die Angriffe auf seine Mutter sehr leid und ist selber froh, dass ihm jetzt in Witten geholfen wird. Eine Hilfe, die sich die ganze Familie schon vorher vom Jugendamt der Stadt Selm erhofft hatte.

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