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Regale aus Pappkartons

BORK Zehn Monate weit entfernt von Familie und Freunden. Das ist schon eine lange Zeit. Für Meike Wobbe allerdings eine Erfahrung, die sie nun nicht mehr missen möchte.

von Von Helen Wobbe

, 15.08.2007
Regale aus Pappkartons

<p>Meike Wobbe auf einem Felsen in Griechenland. Fotos (3): privat</p>

Während ihrer Schulzeit in Dortmund wurden die Borkerin und ihre Schulkameraden von der Auslandsgesellschaft NRW über die Projekte des Europäischen Freiwilligendienstes informiert. Dieses Förderprogramm der Europäischen Union gibt jungen Menschen die Chance, sich in gemeinnützigen Projekten im Ausland zu engagieren. So hat man die Möglichkeit, ein anderes Land, eine andere Kultur und eine andere Sprache kennen zu lernen. Aufgrund ihrer Computerkenntnisse hatte Meike sich bei einem Projekt auf der griechischen Insel Chios, nahe des türkischen Festlands, beworben und eine Zusage erhalten.

Und so startete die 22jährige Borkerin am 5. September letzten Jahres für zehn Monate in Richtung Süden.

Umgang mit Computerprogrammen

Nach einer Zwischenlandung in Athen erreichte sie schließlich den Flughafen der kleinen Nachbarinsel von Lesbos. Auf Chios leben rund 54000 Einwohner, die Hälfte davon in Chios Stadt. Für Meike Wobbe ging es zunächst zum bescheiden eingerichteten Freiwilligenhaus und anschließend direkt zum neuen Arbeitsplatz in Vrontados. Ihre Aufgabe für die nächsten 40 Wochen war vor allem das Unterrichten von Computerprogrammen und das Erlernen der griechischen Sprache. Die Absolventen des EFD werden auf Chios als Lehrer angesehen und arbeiten täglich von 14 bis 20 Uhr an den Computern der Einrichtung. Gemeinsam mit den fünf anderen Freiwilligen lebte Meike Wobbe in einem kleinen, spärlich ausgestatteten Haus. Die Decke des Duschraums reichte ihr bis zur Schulter, Regale hatten sich die jungen Männer und Frauen aus Pappkartons gebaut und der Cerosin-Heizlüfter durfte auch bei niedrigsten Temperaturen nur eine Stunde am Tag angeschaltet werden. Glücklicherweise war dieser Winter auf Chios recht mild, allerdings mit viel Regen und Wind.

Zwei Wochen nach Ankunft trafen sich die Freiwilligen in Athen. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, einen Tag die Stadt zu besichtigen. "Das war eine super Abwechslung! Athen ist eine riesige, faszinierende Stadt", erzählt die 22jährige "allerdings sehr versmogt und wir hatten viel zu wenig Zeit, um alles zu besichtigen."

Kontakt zu Freunden

Mit den Freunden hielt sie Kontakt über das Internet. Etwa einmal in der Woche telefonierte sie mit ihren Eltern. Zur Weihnachtszeit kehrte Meike für zwei Wochen zurück nach Bork. Im Anschluss fand dann ein Seminar in Athen statt.

Zum "rocket war" in der Osterzeit wurde Meike auf Chios von ihren Eltern besucht. Dieses Fest ist einzigartig auf der Welt. Jedes Frühjahr werden von den Einheimischen rund 60000 Raketen gebaut und dann nachts in den Himmel geschossen. Dieses Ritual symbolisiert, wie sich die beiden Kirchen von Vrontados früher einmal bekriegten.

Besonders vermissen wird sie die Gelassenheit der Griechen. "Die Griechen sind zwar schreckliche Autofahrer, aber sehr gastfreundlich, aufgeschlossen und genießen einfach das Leben", erzählt die 22jährige.

Trotz des sehr bescheidenen Lebens auf der Insel wird sich Meike Wobbe noch lange, sehr gerne an diese Zeit erinnern. "Es war toll, mit unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen zu leben und zu arbeiten. Ich habe Griechisch gelernt, meine Englischkenntnisse verbessert und Freunde fürs Leben gefunden!"

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