Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Selmer Fußballfans: Sieg der Freundschaft

SELM In der Farbenlehre der Selmer Fussballfans harmoniert Schwarz-gelb mit schwarz-rot am besten. Die BVB-Anhänger hegen eine innige Verbindung zu Fans des SC Freiburg.

von von Malte Bock

, 01.03.2008
Selmer Fußballfans: Sieg der Freundschaft

Markus Kapp (r.) und Eugen Schweizer halten die Fan-Freundschaft aufrecht.

 Es ist 11.30 Uhr. In genau vier Stunden wird das Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hansa Rostock angepfiffen. Langsam aber sicher trudeln die ersten Fans ein. Schwarz und Gelb, wohin das Auge schaut. Doch Moment. Wir befinden uns weder im Signal Iduna Park - Heimat der Dortmunder Borussia - noch in dessen unmittelbarer Nähe.Gleich geht's lo-os!

Markus Kapp, zweiter Vorsitzender des Selmer BVB-Fanclubs, begrüßt gerade überschwänglich seinen Kumpel Uwe Barton, auch er ist in schwarz-gelber Kluft erschienen. Zusammen mit weiteren Borussen stehen sie an der Theke von Markus Kapps Blockhütte und stimmen sich auf das wichtige Heimspiel ein. 

Die Schwarz-Roten kommen Doch hier stutzt der aufmerksame Beobachter zum zweiten Mal. Zwischen die Schwarz-Gelben haben sich doch Fans in schwarz-rot geschlichen. Farben, die momentan in der Bundesliga gar nicht vertreten sind. Sie gehören nämlich dem Zweitligisten SC Freiburg. Herzlich umarmen die Freiburger jeden Borussen, der den Raum betritt. Markus Kapp tritt neben den Kleinsten der siebenköpfigen Gruppe aus dem Breisgau und legt seine Hand auf dessen Schulter. „Wir beide sind dafür zuständig, dass das Ganze am Leben erhalten wird“, sagt er. Eugen Schweizer lächelt.

Ein 1:1 war der Anfang der Freundschaft Denn er weiß, ohne sie beide hätte „das Ganze“ gar nicht begonnen. 14 Jahre kennen sie sich nun. Mit einem Auswärtsspiel der Borussia in Freiburg in der Saison 93/94 hat alles begonnen. An den 1:1-Endstand erinnern sich beide noch ganz genau. Denn dieses Spiel war Auftakt einer ganz besonderen Verbindung. Auf einem Weinfest im Anschluss an das Spiel tauschten beide Telefonnummern aus und es entwickelte sich eine Fan-Freundschaft, die nun 13 Jahre anhält. Immer, wenn der BVB in Freiburg spielte, fuhren die Selmer in den Breisgau; immer, wenn der SC in Dortmund spielte, kamen die Freiburger zum Gegenbesuch.

Jede Menge Anekdoten Unzählige Geschichten können Markus Kapp und Eugen Schweizer von diesen Fahrten erzählen. Markus Kapp erinnert sich, im Schwarzwald das dortige Fastnachtaustreiben einmal bei strömendem Regen erlebt zu haben. „Trotz des Wetters war es herrlich“, erinnert sich „Kappi“. „Es waren jedenfalls immer Bombenpartys“, ergänzt Eugen Schweizer in gebrochenem Hochdeutsch.

Die Fan-Begegnungen werden dokumentiert durch Fotos an den Wänden der Blockhütte von Markus Kapp. Hier hängen neben Fotos, Fahnen, Trikots und Schals Autogrammkarten von Spielern, die mit der Borussia große Erfolge gefeiert haben: Lothar Emmerich, Michael Zorc, Günter Kutowski, Fleming Povlsen, Stephane Chapuisat, Karl-Heinz Riedle oder – für Kenner – Murdo MacLoed. Marcel Raducanu war sogar schon persönlich in „Kappi`s Blockhütte“. „Das war für mich ein ganz besonderer Moment“, erzählt „Kappi“.Befreundete Familien Genauso gerne bewirtet er allerdings seine Gäste aus Freiburg, die allesamt einen Freundschaftsschal tragen. Zur Hälfte Dortmunder, zur Hälfte Freiburger Farben. Etwas traurig sind sie jedoch schon, dass sie nicht gleich „ihren“ SC im Stadion anfeuern können. „Ja, momentan müsst ihr viele Montagsspiele gucken“, kann sich Markus Kapp einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. Doch Eugen Schweizer nimmt es mit Humor. Er ist sich sicher, dass der SC bald wieder in der Bundesliga spielt. Denn wichtig sei es, dass die gegenseitigen Treffen wahrgenommen würden. Doch dafür wird er mit Markus Kapp schon sorgen, denn inzwischen verstehen sich sogar die Familien der beiden Fußballbegeisterten gut.

Freiburger sind im BVB-Stadion zuhause Im Bus begrüßen dann auch weitere Fanclub-Mitglieder die Freiburger-Abordnung auf dem gemeinsamen Weg ins Stadion. Als dieses in Sichtweite gerät, schwärmt die Freiburgerin Kirsten Pressel: „Es ist, als ob man nach Hause kommt.“ Und auch der müde 1:0-Sieg der Borussia kann die gute Stimmung unter den Fans nicht trüben. Alle freuen sich schon auf die anschließende Party in „Kappi´s Blockhütte“. Aus dem Hintergrund ruft Wolfgang Barton: „Wir haben auch das Badener Lied noch gar nicht gehört."

Lesen Sie jetzt