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Selmer Pater vom Dienst suspendiert

Missbrauchs-Verdacht

SELM Tiefe Betroffenheit, Bestürzung, Unsicherheit. Das sind die vorherrschenden Gefühle in Selm, nachdem Bischof Dr. Felix Genn am Dienstag den Pfarrer von St. Josef wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch vorläufig vom Dienst entbunden hat.

von Von Matthias Münch

, 01.04.2010

Die Vorwürfe beziehen sich ausdrücklich nicht auf die Zeit des Paters in Selm, wo er im Jahr 2000 die Pfarrverwaltung von St. Josef übernommen hatte. Der Bischof von Münster sah sich zu diesem Schritt veranlasst, nachdem ihn der Provinzial der Arnsteiner Patres in Lahnstein (Diözese Limburg) über die Vorwürfe gegen einen Pater seines Ordens informiert hatte.

Gegen den Pater, so Provinzial Heinz-Josef Catrein, werde ermittelt. Wie die Bischöfliche Pressestelle in Münster mitteilte, hat der Bischof daraufhin im Einvernehmen mit dem Ordensoberen dem Selmer Pater bis zur endgültigen Klärung die Ausübung des priesterlichen Dienstes im Bistum Münster untersagt und ihn von seinen seelsorglichen Aufgaben entbunden. Der Orden hat den Pater in ein Kloster außerhalb des Bistums Münster berufen.  

Die Kirchengemeinde St. Josef fusionierte im vergangenen Jahr mit der Gemeinde St. Ludger und der Gemeinde St. Stephanus in Bork. Leitender Pfarrer der neuen Selmer Großgemeinde St. Ludger ist Siegfried Hoff. Er war schockiert, als er von den Vorwürfen gegen den Pater erfuhr: „Von Anfang an habe ich hier in Selm gut mit ihm zusammen gearbeitet. Wir sind Freunde geworden.“ Über die Inhalte der Vorwürfe gegen den Pater weiß Pfarrer Hoff nichts: „Das hat man uns nicht mitgeteilt. Ich erwarte auch, dass man den Menschen, um den es hier geht, nicht vorverurteilt. Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren und wir müssen abwarten, bis der Sachverhalt geklärt ist. So lange gilt auch hier die Unschuldsvermutung.“  

Im Auftrag von Bischof Genn wird Siegfried Hoff im Gründonnerstags-Gottesdienst um 20 Uhr in St. Ludger einen Brief des Bischofs zu dem Fall verlesen. Gleichzeitig wird dieser Brief auch in den Abendmahls-Gottesdiensten in St. Josef und St. Stephanus verlesen. Die Staatsanwaltschaft ist mit dem Fall noch nicht befasst, weder in Dortmund noch in Münster. Die Ermittlungen laufen derzeit auf der Ebene des Ordens. Nach Kirchenrecht können Taten auch geahndet werden, wenn sie nach staatlichen Gesetzen verjährt sind.

Auf welche Zeit und welchen Ort sich die Vorwürfe gegen dem Selmer Pater beziehen, ist nicht bekannt. Er war bis zuletzt Mitglied im Konvent der Arnsteiner Patres in Werne. In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete er als Lehrer am St. Christophorus-Gymnasium in Werne, das 1982 von den Patres in die Trägerschaft des Bistums Münster überging. Ende der 80er-Jahre verließ der Pater die Stadt Werne und wurde Militärseelsorger, bevor er nach Selm kam.