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Überfüllte Busse, Ochsenherden und keine Eile

Judith Wüllhorst in Tansania

SELM Ihr freiwilliges soziales Jahr verbringt die Selmerin Judith Wüllhorst in Afrika. In Tansania betreut sie Aids-Waisen und unterrichtet an einer Schule. Daneben lernt sie aber auch Land und Leute kennen - diesmal berichtet sie von der Lebensart.

30.04.2010

Tansania ist ein Land, das man schwer mit wenigen Worten beschreiben kann. Es gibt weite Ebenen und hohe Gebirge, schöne Palmen und dicke Baobab-Bäume, unerträglich heiße Städte wie Dar-Es-Salaam und Städte mit angenehmen Klima wie Mbeya oder Sumbawanga. Es gibt Gegenden, in denen die Leute wie in Europa herumlaufen und Gegenden, in denen die Menschen nur mit ein paar abgewetzten Kleidungsfetzen bedeckt sind. Reiche und Arme, Muslime und Christen, Inder und Afrikaner.

Gewöhnen an Unvorstellbares Nachdem ich nun schon über neun Monate in diesem Land wohne, habe ich mich an Vieles gewöhnt, was für uns in Deutschland unvorstellbar ist. Leute verkaufen ihre Waren auf dem Boden im Staub, Frauen tragen riesige Mengen Feuerholz und Wasserkanister auf dem Kopf, ohne es festzuhalten, und kleine Jungen treiben ihre Ochsenherden durch die Straßen vor unserem Haus. Auch habe ich lernen müssen, dass in einen Bus immer mehr Leute passen, als man denkt.

In die Dalla-Dallas (Kleinbusse, die in Deutschland niemals mehr über den TÜV gekommen wären) passen hier locker 32 Leute, auch wenn das bedeuten kann, dass man sich "lässig" draußen dranhängen muss. Sollte man mit einem restlos überladenen Reisebus in die Nähe einer Polizeikontrolle kommen, steigen kurzerhand 1/3 der Leute aus, fahren mit einem Kleinbus weiter, und steigen 500 Meter hinter der Kontrolle wieder ein.

Auch scheinen die Tansanier oft eine andere Logik zu verfolgen als wir Deutsche. Zwei 5 kg-Säcke Maismehl sind beispielsweise billiger als ein 10kg Sack. Und immer wieder spürt man die afrikanische Lebenseinstellung "hakuna haraka afrika" - es gibt keine Eile in Afrika. Wenn wir in für uns normaler Geschwindigkeit durch die Straße laufen, werden wir oft darauf angesprochen, warum wir so in Eile wären.

Überall hält man erstmal ein kleines Pläuschchen und tauscht die neusten "habaris" (Neuigkeiten) von Familie, Haus und Arbeit aus. Die Antworten reichen dabei grundsätzlich nur von "salaama" (friedlich) über "nzuri" (gut) bis "nzuri sana" (sehr gut). Auch auf die Frage, wie es einem ginge, bekommt man niemals ein "schlecht" oder Gejammer als Antwort.