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Stadt als Postpartner in Selm undenkbar

Ablehnung für Post-Idee

Thomas Staschat wollte die Post in Selm in die Hände der Stadt geben - obwohl in Olfen ein ähnliches Projekt defizitär ist. Im Rat kassierte er für seinen Vorschlag eine Absage und harsche Worte.

Selm

, 18.05.2018
Stadt als Postpartner in Selm undenkbar

In Olfen ist die Postfilliale in den Händen der Stadt. © Foto: Sylvia vom Hofe

Besseren Service für Postkunden wünscht sich das parteilose Ratsmitglied Thomas Staschat. Er hatte auch schon eine Idee, wie dieses Ziel zu erreichen sei: durch die Einrichtung einer Poststelle in städtischer Regie. Das Plus an Öffnungszeiten solle sich die Stadt ruhig etwas kosten lassen, meint er. Wie viel genau, solle die Stadtverwaltung prüfen. Dazu kommt es nicht wegen des nahezu geschlossenen Widerspruchs der Ratsfraktionen. Das lässt auch Udo Böer aus Moers aufatmen.

„Wenn zunehmend Städte und Gemeinden als Partner der Post auftreten, wird unsere Verhandlungsposition mit der Post immer schwächer“, sagt der Vorsitzende des Postagenturverbandes Deutschland gestern am Telefon. Nur Postdienstleistungen anzubieten, sei „auf keinen Fall kostendeckend“.

Die Post berufe sich in ihren Verträgen darauf, dass der Postbetrieb „die Frequenz des Kerngeschäftes“ beleben solle, so Böer. Richtig sei aber, dass den Vertragspartnern kaum Zeit für ihr eigenes Sortiment – ob Schreibwaren, Lotto oder anderes – bleibe. Städtische Poststellen würden mit „nicht unter 10.000 Euro Personalkosten pro Jahr“ subventioniert: konkurrenzlos für die oft am Existenzminimum arbeitenden privaten Agenturen.

Zufrieden mit Angebot

„Das kann ich nicht den Bürgern verkaufen, dass wir einen Aktienkonzern mit Milliardengewinnen unterstützen“, sagte am Mittwochabend während der Ratssitzung Hans-Jürgen Walter (SPD). Es sei an der Post, die Vergütungen ihrer Partner zu verbessern. „Wir haben drei Agenturen“, so Dieter Kleinwächter (CDU): neben der am Willy-Brandt-Platz, auf die sich Staschat bezog, auch noch eine an der Ludgeristraße und eine an der Hauptstraße in Bork.

Die Bürger seien „ganz zufrieden mit dem Angebot“. In der Nachbarstadt Olfen, die Staschat als Vorbild für seinen Post-Vorstoß genannt hatte, sei die Situation anders: „Da hatte die Post keinen einzigen Partner gefunden, bevor die Stadt einsprang.“

„Haare stehen zu Berge“

Werner Sell sagte, dass den Linken „die Haare zu Berge“ stünden, wenn er von dem Plan höre, einen DAX-Konzern mit Selmer Steuergeldern zu unterstützen.

Wie Dieter Kleinwächter verwies er auf die angespannte Finanzsituation Selms: Eine städtische Poststelle einzurichten, bedeute, an anderer Stelle freiwillige Leistungen in der gleichen Höhe zu streichen. Auch Wilfried Zimmermann (UWG) sah weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit für eine städtische Post.

Die Grünen enthielten sich. Marion Küpper wies aber darauf hin, dass der Service, den sie in der von Staschat kritisierten Postagentur erfahren habe, „sehr gut war“.

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„Abenteuerlich“


Der Kommentar zum Thema von Redakteurin Sylvia vom Hofe:

Das war schon abenteuerlich, was Thomas Staschat da gefordert hatte. Ausgerechnet der Ratspolitiker, der mit den Stimmen der FDP in den Rat eingezogen ist, bevor er aus der Partei austrat, macht sich dafür stark, einseitig in einen schwierigen Markt einzugreifen. Man stelle sich vor: Die Stadt übernähme eine Poststelle und mache den beiden anderen Postagenturen Konkurrenz – finanziert mit Steuergeldern. Das wäre das Gegenteil von kommunaler Wirtschaftsförderung.

Und dass städtisches Personal Kundenorientierung und Servicefreundlichkeit besser könnten als Mitarbeiter der Privatwirtschaft, behauptet wohl nur jemand, der selbst im Öffentlichen Dienst arbeitet.