Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Wo geht?s lang?

SELM Siegfried Hoff wird leitender Pfarrer der großen katholischen Kirchengemeinde, die aus der Fusion der Selmer Gemeinden St. Josef und St. Ludger und der Borker Gemeinde St. Stephanus hervorgeht. Mit ihm sprach Matthias Münch aus Anlass des Weihnachtsfestes.

23.12.2007

Herr Pfarrer, folgt man der Radio- und Fernsehwerbung, dann ist der gute Preis fürs Navigationsgerät das Wichtigste an Weihnachten. Wird religiöse Orientierung im Angesicht moderner Technik überhaupt nicht mehr benötigt? Regiert nur noch Geld die Welt? Hoff: Das Navigationsgerät ist ein schönes Bild. Technik und Geschäft sind wichtig, aber sie führen in die Irre, wenn sie zum Nonplusultra gemacht werden. An die Bedeutung von Weihnachten und die christliche Botschaft muss man sich immer wieder neu heran pirschen - theologisch und philosophisch. Dass Wissenschaft allein nicht ausreicht, haben auch große Philosophen und Naturwissenschaftler von Platon bis Einstein gespürt. Der englische Kardinal John Henry Newman hat dazu etwas Gutes gesagt: Trotz allen Wissens gebe es immer das Moment der Huldigung gegenüber dem Schöpfer.

Immer mehr verkaufsoffene Sonntage - auch im Advent: Was sagen Sie dazu? Hoff: Das geht in die gleiche Richtung wie gerade. Wenn man nicht mehr weiß, wo man steht, fehlen der seelische Halt und die Zufriedenheit. Die kann man nicht kaufen. Dass klar zu machen, damit beschäftige ich mich als Geistlicher mein ganzes Leben lang.

Viele Menschen, auch Mitglieder der Kirchen, kennen die Bedeutung der christlichen Feste nicht mehr. Beobachten Sie das auch in Selm? Hoff: Ja, etwa in den Schulgottesdiensten. Die Kinder im dritten und vierten Schuljahr können natürlich nicht mehr wissen als viele ihrer Eltern. Der Islam, nicht der Fundamentalismus, zeigt uns, was religiöse Werte bedeuten und kritisiert unsere Wertelosigkeit. Aber ich leide nicht unter dieser Situation. Denn es bahnt sich auch im Christentum etwas Neues an.

Wo sehen Sie das denn? Hoff: Wo die Leute nichts mehr mit sich anfangen können, da tut sich ein Loch auf. Und daraus entsteht wieder Positives. Ich stoße auf Menschen mit einem tiefen religiösen Verständnis, die nicht viel über Theologie wissen. Aber auf Wissen kommt es nicht an. Ein großer Teil meines Leben war eine Suche nach Antwort: Ist Glaube Spinnerei oder Realität? Heute kommt bei mir das Gespür für den Glauben wieder deutlicher zum Vorschein.

Was wünschen Sie sich für das Zusammenwachsen der drei Gemeinden St. Ludger, St. Josef und St. Stephanus? Hoff: Dass die Menschen die Fusion nicht unter dem Aspekt sehen, dass man etwas aufgibt, sondern dass man Neues gewinnt, wenn 13 5000 Seelen zusammen kommen. Ich wünsche mir eine gemeinsame optimistische Aufbruchstimmung.

Sie sind 67 Jahre alt. Wie lange werden Sie der neuen Gemeinde als Pfarrer erhalten bleiben? Hoff: Die Fusion findet am ersten Adventssonntag 2008 statt. Daran, aber auch am Zusammenwachsen in der Zeit danach, möchte ich arbeiten. Ich meine die Organisation des Prozesses, aber vor allem auch die Begleitung der Menschen als Seelsorger. Deshalb werde ich, wenn ich gesund bleibe, noch vier bis fünf Jahre hier als Pfarrer arbeiten.

 

Lesen Sie jetzt