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Sengera: Kein kurzer Prozess

DÜSSELDORF Kein kurzer Prozess für den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera: Das Düsseldorfer Landgericht hat die Einstellung des Untreueverfahrens abgelehnt. Der Antrag der Verteidiger werde als unbegründet zurückgewiesen, gab die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer am Donnerstag bekannt.

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Sengera: Kein kurzer Prozess

Angeklagt: Jürgen Sengera.

Die Verteidiger hatten unter anderem bemängelt, dass wesentliche Beweismittel nicht ins Deutsche übersetzt worden seien. Außerdem sei die angebliche Straftat Sengeras in der Anklageschrift nicht ausreichend klar definiert.

Das Gericht wies daraufhin, dass die Gerichtssprache zwar deutsch sei, aber keineswegs alle Dokumente des Verfahrens bereits vor der Hauptverhandlung übersetzt werden müssten. Auch sei die Anklageschrift ausreichend konkret. Nach der Entscheidung des Gerichts verschob die Verteidigung die ursprünglich geplante persönliche Erklärung ihres Mandanten. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

Verdacht der schweren Untreue

Der 64-jährige Sengera ist wegen des Verdachts der schweren Untreue angeklagt. Er soll 1999 als zuständiges Vorstandsmitglied einen Kredit über 1,35 Milliarden Euro ohne ausreichende Risikoprüfung an den britischen TV-Geräteverleiher Boxclever vergeben und damit 427 Millionen Euro Schaden verursacht haben.

Beim Auftakt des Strafprozesses am Mittwoch hatten die Staatsanwälte Sengera „übersteigertes berufliches Erfolgsstreben“ vorgeworfen. Er habe seine Prüfpflichten verletzt und Risiken ignoriert, um mit zunächst glänzenden Zahlen Vorstandschef der damals fünftgrößten deutschen Bank zu werden. Sengera habe sich damit der schweren Untreue schuldig gemacht, was mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden kann.

In der Anklageschrift ausgeblendet

Die Verteidiger kritisierten, dass wesentliche Teile der Kreditvergabe in der Anklageschrift ausgeblendet würden. So etwa eine Verpflichtungserklärung der WestLB und der Kreditvertrag selbst, mit dem Sengera überhaupt nicht befasst gewesen sei.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte sich Sengera über erhebliche Bedenken des zentralen Kreditmanagements der Bank hinweggesetzt. Boxclever, durch die Fusion zweier Verleiherfirmen entstanden, hatte schließlich Insolvenz anmelden müssen. Sengera habe sich für den Kredit stark gemacht, obwohl der Markt für das Verleihgeschäft seit längerer Zeit geschrumpft war und Filialschließungen geplant waren.

Bankenaufsicht hatte Kreditgeschäft untersucht

Die Bankenaufsicht BaFin hatte das fehlgeschlagene Kreditgeschäft untersucht und schließlich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im BaFin-Prüfbericht war Sengeras Kompetenz grundsätzlich infrage gestellt worden. Für das Geschäft war bei der Londoner WestLB-Tochter Principle Finance die Investment-Bankerin Robin Saunders zuständig. Sie hatte das Strafverfahren gegen sich beenden können, indem sie eine Million Euro zahlte.

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