Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Spekulationen um Rückzug der Post aus USA

Hamburg (dpa) Die schlechte Lage des US-Expressgeschäfts der Deutschen Post hat zu Spekulationen über dessen Aufgabe geführt. Die Aktie legte am Freitag kräftig zu. Kreisen zufolge hat der weltgrößte Logistikkonzern aber noch keine Entscheidung getroffen.

Spekulationen um Rückzug der Post aus USA

Postchef Klaus Zumwinkel muss das Engagement auf dem US-Markt auf den Prüfstand stellen.

Noch würden mehrere Optionen erwogen, die den inneramerikanischen Teil und dabei in erster Linie das verlustreiche Bodengeschäft beträfen, hieß es. Finanzvorstand John Allan hatte unlängst bekräftigt, die Post werde sich nicht vollständig aus den USA zurückziehen und weiterhin ein weltweites Express-Netz aufrechterhalten. Eine Lösung wolle er in "wenigen Monaten" vorstellen.

Am Freitag hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, Vorstandschef Klaus Zumwinkel wolle das hoch defizitäre inneramerikanische Paket- und Expressgeschäft an den US-Konkurrenten FedEx abgeben. Derzeit liefen Gespräche mit Fedex-Chef Frederick Smith.

Die Spekulationen ließen die Post-Aktie bis zum Nachmittag um 4,34 Prozent auf 22,36 Euro steigen, womit die Titel zu den stärksten Werten im DAX zählten. "Für die Post wäre ein Verkauf des US-Expressgeschäfts ein Befreiungsschlag", sagte ein Händler. Die am Vortag bekannt gegebene Abschreibung auf den Bereich könne als erster Schritt zu einem Verkauf gewertet werden. Die Bonner sehen den Wert ihrer Flugzeuge, Lastwagen, Immobilien und anderer Vermögenswerte um 600 Millionen Euro niedriger als bisher.

Post-Chef Zumwinkel, der spätestens Ende November seinen Posten an Frank Appel abgeben will, handelt laut "FTD" unter erheblichem Zeitdruck. "Zumwinkel möchte das Haus besenrein hinterlassen", zitiert die Zeitung einen Post-Manager. Spätestens bis Ende Mai wolle sich der Konzern von seiner inneramerikanischen Express-Sparte trennen. Als treibende Kraft der einschneidenden Neuordnung gilt dem Bericht zufolge Finanzchef Allan. Er drängt demnach auf einen Schlussstrich bei dem US-Engagement. Offiziell hatte Allan gesagt, es gebe "eine Reihe von Optionen" zur Verbesserung der Lage.

Bislang hat das US-Engagement der Deutschen Post Verluste von bis zu 7 Milliarden Euro eingebrockt. Zumwinkel hatte mit milliardenschweren Übernahmen die Express- und Pakettochter DHL zum Konkurrenten für die Platzhirsche FedEx und United Parcel Service (UPS) aufgebaut. Mit einem neuen Luftdrehkreuz in Ohio wurde der Bonner Konzern sogar zum größten privaten Flughafen-Eigentümer in den USA. Doch der Erfolg blieb aus; von Anfang an schrieben die Deutschen in Übersee rote Zahlen.

Die Analysten halten einen Verkauf des US-Expressgeschäfts allerdings für unwahrscheinlich. Nach Ansicht von Robert Heberger von Merck Finck ist eine Reduzierung der Aktivitäten oder eine Partnerschaft eher möglich. Analyst Christian Obst von der UniCredit bewertete die Lage so: "Die Post muss eine Lösung für das US-Expressgeschäft finden, und eine Art Kooperation mit FedEx könnte eine gute Möglichkeit sein." Wenn diese Kooperation klappe, könne die Post ihre Gewinnziele in dem Bereich in einem Jahr erreichen.

Frühere zeitliche Angaben zum Erreichen der Gewinnschwelle hatte die Post bereits mehrfach verschoben - inzwischen wird offiziell gar kein Termin mehr genannt. Zu genauen Geschäftszahlen in den USA äußerte sich der Bonner Konzern in den vergangenen Jahren auch nur noch zurückhaltend - zum Ärger der Investoren. Auch der Austausch von Spitzenmanagern konnte das Blatt nicht entscheidend wenden.

Anzeige
Anzeige