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Auge auf schlafende Stadt

Stadtlohn Blank und makellos liegt das geschwungene Metall in den Händen von Archivar Ulrich Söbbing. Vor 84 Jahren ist es zum letzten Mal dienstlich genutzt worden: das Signalhorn der Stadtlohner Nachtwächter.

30.12.2007

Auge auf schlafende Stadt

<p>Archivar Ulrich Söbbing mit dem letzten Stadtlohner Nachtwächterhorn: Es sorgte für ein weithin hörbares Signal. Ohm</p>

Dass der Stadtlohner Archivar es jetzt wieder zum Vorschein bringt, hat einen besonderen Grund: Genau 350 Jahre alt ist die erste urkundliche Erwähnung eines Stadtlohner Nachtwächters. Eine Anstellungsurkunde: Bernhard Robers wurde von der Stadt am 8. Januar 1658 als neuer Nachtwächter dienstverpflichtet - gegen ein Gehalt von zehn Reichstalern und jährlich einem Paar Schuhe.

"Aber es hat sicherlich schon lange vorher Nachtwächter gegeben", berichtet Söbbing. Üblich gewesen sei seit dem 14. Jahrhundert, diese "städtische Dienstleistung" vorzuhalten. Dabei waren die Nachtwächter in erster Linie Sicherheitsexperten: Ihre Hauptaufgabe bestand darin, auf den Ausbruch von Bränden zu achten.

In den mittelalterlichen Städten mit ihren engen Gassen eine große Gefahr: Manche Stadt fiel einer Feuersbrunst zum Opfer. "Bei Brandgefahr hatte der Nachtwächter die Bewohner zu warnen", erläutert Söbbing: "Er musste im Ernstfall den Ortsvorsteher informieren und schnell zum Spritzenhaus laufen, dessen Tore öffnen und Fackeln entzünden." Damit sicherte der Nachtwächter den schnellstmöglichen Löscheinsatz.

Eine wirklich angenehme Arbeit stellte das aber im jahrelangen Berufsalltag nicht dar: Der Nachtwächter musste auf seinen Nachtschlaf verzichten. Aus der Notwendigkeit, diese Regenerationsphase am Tag nachzuholen, ergab sich oft eine misslich schwierige Situation: Dadurch fehlte die Möglichkeit, tagsüber durch eine Nebentätigkeit den kargen Lohn etwas aufzubessern.

"Manchmal teilten sich deshalb auch zwei Nachtwächter die Aufgaben, um am Tag noch einer weiteren Arbeit nachgehen zu können", blickt Söbbing in die Annalen.

Vieh hüten

Zu den gängigen Zusatzverdiensten gehörte zum Beispiel das Hüten des Viehs der Bürger. Oft waren die Nachtwächter auch als Totengräber tätig. Der letzte Stadtlohner Nachtwächter, Hermann Demes, war auch als Bäiermann der Gemeinde bekannt. Die Bürgerschaft achtete darauf, dass der Nachtwächter sein Amt korrekt ausübte: Er hatte eine feste Route zurückzulegen und auf dieser an bestimmten Stellen zu pfeifen. Darüber hinaus war es seine Aufgabe, mit dem Horn zu bestimmten Uhrzeiten ein Signal zu blasen. Im Winter war dies in der Regel vier Mal pro Nacht vorgesehen, in den kurzen Sommernächten reichte ein dreimaliges Signal. to

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