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Bewaffnete Sicherheitsexperten

30.12.2007

Bewaffnete Sicherheitsexperten

<p>Hermann Demes ließ sich im höheren Alter noch einmal mit dem Brandhorn als Nachtwächter fotografieren.</p>

Stadtlohn Die Bürger verließen sich darauf, dass der Nachtwächter seinen Dienst auch wie vorgesehen ausübte. "Es gab dann auch Beschwerden, wenn ein Signal ausblieb", berichtet der Stadtlohner Archivar Ulrich Söbbing. Eine weitere Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen, bestand in einem besonderen Brauch: Zu Neujahr zog der Nachtwächter von Haus zu Haus, trug seine Neujahrsgrüße vor und erwartete im Gegenzug eine Aufmerksamkeit.

Eine Wurst geschenkt

"Oft gab es dann eine Wurst", so Söbbing. Mancher fühlte sich aber dadurch auch regelrecht zu einer Spende genötigt: "Deshalb gab es in diesem Zusammenhang der Geschichte auch Beschwerden über Bettelei", weiß Söbbing. Doch habe sich dies nicht unterbinden lassen: Zu wichtig war dieses "Zubrot" für die Nachtwächter.

Ein weiterer Aufgabenberich, dem sich die Nachtwächter zu widmen hatten, dreht sich um die Ruhe und Ordnung in der Stadt. Dabei führten die Nachtwächter auch eine Bewaffnung mit sich - gegen Mitte des 19. Jahrhunderts waren Säbel und Pike die Begleiter, mit denen er sich Autorität verschaffen konnte. Im Grenzdorf Oeding stellte ein Nachtwächter im Jahr 1907 gar den Antrag, einen Revolver mitführen zu dürfen: Er fühle sich vom "Gesindel" an der Grenze bedroht. Dem früheren Unteroffizier wurde die Erlaubnis erteilt. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte die Bedeutung der Nachtwächter schon ihren höchsten Punkt überschritten. Zum Aufgabenverlust trug der Ausbau des Polizeiwesens bei. Den Schlusspunkt setzte die Elektrifizierung: Damit war die Rolle als Brandwächter nicht mehr von Belang.

Hermann Demes

Der letzte Stadtlohner Nachtwächter war Hermann Demes. Bereits sein Vater Wilhelm hatte dieses Amt ausgeübt. Er war auch als Totengräber, Ausrufer und Bäiermann tätig - sein Sohn übernahm diese Funktionen. Er lebte von 1887 bis 1953. Als Nachtwächter hatte er bis 1923 gearbeitet; ein Jahr nach dem Anschluss an das elektrische Stromnetz war schließlich auch das endgültige Aus gekommen. Obwohl manche Aufgaben heute noch aktuell sind: Für Ruhe und Ordnung zu sorgen - und auf Wunsch einen Weckdienst zu übernehmen. to

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